Die Mysterien des Karfreitags, Teil 1

Die Christen vergegenwärtigen sich an Karfreitag, dem Todestag Jesu, seine Leidensgeschichte, aber was steckt dahinter, was man bei oberflächlicher Betrachtung dieses historischen Ereignisses NICHT erfasst?

Die Religionsführer fassten den Beschluss, Jesus zu töten. Da sie es unter der römischen Besatzung nicht selbst tun durften, mussten sie die Römer dazu bringen, es stellvertretend für sie zu vollziehen. Joh 11,53: „Von jenem Tag an ratschlagten sie nun, um ihn zu töten.“ Später, als Pilatus beim Prozess gegen Jesus unwillig war, ihn zum Tode zu verurteilen, riefen die Religiösen: „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetz muss er sterben, weil er sich zu Gottes Sohn gemacht hat“. (Joh 19, 7)

Es ist aus heutiger Sicht kaum zu ermessen, was damals wirklich geschah; Religionsführer hetzten gegen Jesus und setzten den römischen Staatsapparat derartig unter Druck, dass dieser einen offensichtlich Unschuldigen hinrichtete. Pontius Pilatus fühlte sich damit sichtlich unwohl und war zunächst fest entschlossen, Jesus frei zu lassen, und doch blieb ihm offenbar nichts anderes übrig als Jesus zum Tode zu verurteilen. Der Hohe Rat war zu stark, als dass Pilatus sich folgenlos hätte widersetzen können (Joh 19, 12 „… dann bist Du kein Freund des Kaisers“…)

Rund um die Verurteilung und die Kreuzigung Jesu aber reihte sich ein Gesetzesverstoß an den anderen, sowohl auf staatlicher als auch auf religiöser Seite. Dies wird heute gern übersehen wenn es vorschnell heißt, die Juden handelten nur nach ihren Gesetzen. Genau das tat der Hohe Rat eben nicht.

Das Gerichtsverfahren gegen Jesus verstieß gegen 22 mosaische Gesetze bezüglich derartiger Verfahren. Dadurch war es im Sinne des Judentums und des geltenden religiösen Rechts eine absolute Farce, eine Verschwörung um des Machterhalts des Hohen Rates willen. Es hatte ganz klar nichts mit dem Judentum an sich zu tun sondern mit den Privatinteressen Einzelner.

Einige wenige der Gesetzesverstöße führe ich hier an:

Religiöse Behörden durften keine Verhaftung veranlassen, wenn Bestechung im Spiel war. Der Hohe Rat aber bestach Judas Iskariot: Mt 26, 14 – 16,   Mk 14,10-11; Lk 22,3-6

Mitgliedern des Sanhedrin (Hoher Rat) und Richter durften nicht an der Verhaftung des Delinquenten teilnehmen. Die Hohenpriester aber kamen mit den Ältesten des Volkes in den Garten Gethsemane, um der Verhaftung Jesu beizuwohnen. MT 26, 47 ff  Mk 14,43 ff ; Lk 22,47 ff ; Joh 18,3 ff

Dem Hohepriester war es verboten, seine Kleider zu zerreißen. Kaiphas aber tat genau dies, als er angeblich Jesus wegen Gotteslästerung überführte. (Mt 26, 65)

Die Anklage wegen Gotteslästerung war nur möglich, wenn jemand den Namen Gottes wörtlich aussprach. Dies tat Jesus aber nie. Mt 27, 11 ff, Mk 15,2 ff ; Lk 23,1-4; Joh 18,28 ff

Niemand durfte aufgrund seiner eigenen Aussagen verurteilt werden. Dies aber geschah. Mt 27, 11 ff, Mk 15,2 ff ; Lk 23,1-4; Joh 18,28 ff

Die der qualvollen Tötung durch das Kreuz vorausgehenden Folterungen im Falle Jesu (normalerweise wurden durch Kreuzigung zum Tode Verurteilte NICHT vorher gefoltert, das verbot das Römische Strafrecht) waren schon so grauenhaft und mit derartig viel Blutverlust verbunden, dass sie in diesem Fall wohl auch ohne Kreuzigung früher oder später zum Tod geführt hätten. Jeder Forensiker wird bestätigen, dass die Wunschvorstellung von einem zuvor durch das römische Flagrum gefolterten Mann, der die anschließende Kreuzigung durch verschiedene Atemtechniken, sich-tot-Stellen usw. überlebt und später lustig weitergelebt habe, wirklich nur Ammenmärchen sind, die entweder einer antichristlichen Wunschvorstellung oder einer Unwissenheit um die physiologischen Vorgänge bei einer derartigen Folter entspringen und der Unkenntnis dessen, was damals eine Auspeitschung und eine Kreuzigung bedeuteten. Die Kreuzigung an sich war nicht unbedingt tödlich, der Blutverlust nicht groß genug. Es war eher eine Frage der Zeit und der Kondition/Erschöpfung des Gekreuzigten, denn durch ein kleines Brett unter den Füßen hatte er die Möglichkeit, sich zum Luftholen immer wieder aufzurichten, bevor nach Stunden die Kraft dafür versagte und er den Erstickungstod starb, weil er wegen der ausgebreiteten, nach oben gerichteten Arme keine Luft mehr holen konnte. Nicht umsonst wurden den Gekreuzigten die Beine zerschlagen, denn sie konnten sich dadurch nicht mehr aufrichten um Luft zu holen. Der Kreuzestod war eine qualvoll lange Prozedur, das Zerschlagen der Beine im Letzten eine Erlösung. Jesus blieb Letzteres erspart, er war schon gestorben, als die Römer nachsahen, denn er hatte von der Folter einen hohen Blutverlust erlitten und ging geschwächt ans Kreuz.

Die Fortsetzung dieses Textes erfolgt in Kürze.

*sehr empfohlen seien dem interessierten Leser zu diesem großen Themenbereich die Bücher von Arnold Fruchtenbaum.

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4 Antworten zu Die Mysterien des Karfreitags, Teil 1

  1. Wolfram schreibt:

    Ich habe mich schon gefragt, ob aus einer Schreibsituation außerhalb Israels heraus die „Ioudaioi“ (ich hab die griechischen Buchstaben noch nicht gefunden im WordPress) nicht auch als „Judäer“ übersetzt werden könnten.
    Daß dieser ganze Prozeß eine einzige Farce ist, arbeitet Johannes ja sehr schön heraus und unterstreicht es mit Überlegungen, die bis heute aktuell sind. Aber er zeigt auch Jesus von Anfang an als Provokateur, der es eigentlich konstant darauf anlegt, mit den Autoritäten in Konflikt zu kommen.

    Ist Fruchtenbaum die (Sekundär-)Quelle für die gebrochenen Vorschriften? Das interessiert mich sehr, und ich mag gern selbst nachlesen.

    • Henny Jahn schreibt:

      A. Fruchtenbaum hat in seinem Werk „Das Leben des Messias“ all diese Dinge sehr detailliert herausgearbeitet, eben auch die 22 Verstöße gegen die mosaischen Vorschriften. In diesem Buch verweist er häufig auf sein Werk „Handbuch der biblischen Prophetie“ für noch weitere Vertiefung. Da klärt sich auch im Grunde Alles wegen des provokativ wirkenden Auftretens Jesu. Ich schätze seine Sachen vor allem wegen der Tatsache, dass er als Jude geboren und aufgewachsen ist und die ganzen Hintergründe aus jüdischer Sicht kennt und der biblischen Sprachen mächtig ist, sich dann aber dem Christentum zuwandte und heute ein überzeugter Christ ist. Wohl mehr als die allermeisten „christlich geborenen“ Theologen hat er Einblicke in die Hintergründe.

  2. Pingback: Die Mysterien des Karfreitags, Teil 2 | Henny Jahn הני יאן

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