Beurteilung und Verurteilung, ausdrücklich geboten!

Wenn man als Christ kritisch Stellung zu aktuellen Themen bezieht, die z. B. in Sachen der Moral im Konflikt mit der biblischen Lehre stehen, kommt unweigerlich bald der Punkt, an dem man darauf hingewiesen wird, dass Jesus ja auch die Sünder angenommen habe und man gerade als Christ niemanden verurteilen dürfe. Oft kommen solche Sprüche gerade von Christen. Woher sie diese Weisheit aber nehmen wollen, ist mir unbekannt, aus der Bibel jedenfalls können sie das nicht haben, denn genau das Gegenteil ist der Fall.

Meist wird der berühmte Abschnitt aus den Evangelien nach Matthäus oder Lukas mit dem Balken im eigenen Auge und dem Splitter in dem des Anderen ins Feld geführt. Schauen wir uns diesen Abschnitt also einmal genauer an:

Mt 7, 1- 5 (vergl: Lk 6, 39- 42)

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch gemessen werden.

Nach demjenigen Maßstab, den wir bei anderen anlegen, werden wir selbst gerichtet. Legen wir unsere eigenen Vorstellungen als Maßstab an, werden wir nach diesem gerichtet. Legen wir aber Gottes Wort als Maßstab an, werden wir danach gerichtet. Wir sollen sogar richten, und zwar genau nach diesem Maßstab: Richtet nicht nach dem Augenschein, sondern fällt ein gerechtes Urteil (Joh 7, 24.) Allzu gern richten wir aber nach dem Augenschein, nach dem scheinbar Offensichtlichen, obwohl wir nie die Schuhe des anderen anhatten, nie das erlebt haben, was ihn geprägt hat. Legen wir aber Gottes Maßstab an und nehmen Jesus Christus durch Glaube zum Erlöser, kommen wir nicht ins Gericht und werden auch nicht gerichtet, denn ER ist für uns gerichtet worden, DAS ist die Krux an der Geschichte!

Weiter:

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?  Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe, der Balken ist in deinem Auge?  Du Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge und dann siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest!

Wenn ich diesen weiteren Abschnitt lese, springt automatisch das Kopfkino an, und ich habe, ehrlich gesagt, die größte Mühe, mir diese Szenerie mit dem Balken (eigentliche Bedeutung im Urtext hier: Baumstamm) im Auge vorzustellen. Das wird Jesu Zuhörern kaum anders gegangen sein. Dieses Logion hat aber einige Details, die man nicht übersehen sollte.

Wer einen Balken im Auge hat, ist de facto blind, hat also überhaupt keine Möglichkeit, einen Splitter nur zu sehen oder gar zu entfernen. Gemeint ist natürlich die geistige Blindheit. Geistige Blindheit aber ist die Unkenntnis des Wortes Gottes, die Unkenntnis dessen, was wir heute als Bibel bezeichnen. Die Kenntnis aber ist nicht nur das Kennen im Sinne von Wissen oder Auswendiggelerntem mit dem Kopf, sondern vor allem auch die (Er)kenntnis des Gotteswortes mit dem Herzen mit der Konsequenz, dieses Wort auch zu beHERZigen, zu verinnerlichen. Diese Erkenntnis kann nicht der menschliche Verstand, sondern nur der Heilige Geist in uns bewirken. Ohne die wahre Erkenntnis aber steht uns in der Tat eine Beurteilung und erst recht eine Verurteilung nicht zu, denn dazu fehlt dann der Maßstab. Jeder Richter hat ein Gesetz als Maßstab, nach dem er be- und verurteilt. Unser Maßstab ist das Wort Gottes, die Bibel.

Die absurde Überzeichnung von großer Sünde im Vergleich zu kleiner Sünde im Logion von Balken und Splitter ist das eine, die Art der Sünde aber das andere. Beides, also Balken/Baumstamm und Splitter bestehen aus Holz, sogar aus den extremsten Größenausprägungen, in denen dieses Material vorkommen kann. So sind alle anderen möglichen Größen Holz automatisch miteingeschlossen. Es geht also jeweils um EINE bestimmte Art der Sünde, sei es Ehebruch, sei es üble Nachrede, Lüge, Mord. Sünde aber ist Sünde, sodass die Art der Sünde, z. B. Ehebruch, immer dieselbe bleibt, ganz egal, wieviel Seitensprünge es gab, ob einen oder fünf, Splitter oder Balken. Beiden haftet dieselbe Sünde an, weil beide denselben Ursprung haben, den Verstoß gegen das sechste Gebot, im letzten gegen Gottes Schöpfungsordnung. Ob ein Mord oder zehn, ob eine Lüge oder hundert. Es werden in diesem Logion immer gewissermaßen Äpfel mit Äpfeln verglichen, oder Pflaumen mit Pflaumen, großes Holz mit kleinem Holz, aber immer Holz mit Holz, nicht Äpfel mit Birnen oder Holz mit Gras. Das ist grundlegend wichtig zum Verständnis. Sonst geschieht genau das, was man Neudeutsch als Whataboutismus bezeichnet: Die Schwere des einen Übels wird mit einem ganz anderen Übel relativiert, gewissermaßen ausgehebelt und aufgehoben. Am Ende rechtfertigt sich nach dieser Philosophie alles, darum ist sie wohl so populär. Kaum eine Debatte ohne Whataboutismen. Derzeit sehr beliebt: Weil so viele Geistliche sich an Kindern vergriffen haben, müsse sich die Kirche aus der Debatte zur Homosexualität raushalten. Bitte was?

Wir werden von Jesus sogar explizit dazu angehalten, unseren Bruder zu beurteilen und zu korrigieren, allerdings immer in Geduld und Liebe, und das Letztere muss besonders ich mir hinter die Ohren schreiben, aber alles andere ist Selbstgerechtigkeit:

Mt 18, 15 – 17

Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so gehe hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruhe. Hört er aber diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch die Gemeinde nicht, so gelte er dir wie ein Heide und Zöllner.

Hier geht es nicht um die Sünde eines Mitchristen im Allgemeinen sondern um einen Bruderzwist: „Wenn aber dein Bruder AN DIR gesündigt hat…“

Aber auch die fortwährende Sünde eines Mitchristen, der trotz Zurechtweisung nicht einsichtig ist und weitersündigt, soll und muss sogar den Ausschluss aus der Gemeinschaft nach sich ziehen. Auf dieser biblischen Aussage beruht übrigens die Möglichkeit der Exkommunikation in der katholischen Kirche.

1 Kor 5, 9 – 13

Ich habe euch in dem Brief geschrieben, daß ihr keinen Umgang mit Unzüchtigen haben sollt;  nicht überhaupt mit den Unzüchtigen dieser Welt, oder den Habsüchtigen und Räubern oder Götzendienern; sonst müßtet ihr ja die Welt räumen.  Nun aber habe ich euch geschrieben, daß ihr keinen Umgang haben sollt mit jemandem, der sich Bruder nennen läßt und dabei ein Unzüchtiger oder Habsüchtiger oder Götzendiener oder Lästerer oder Trunkenbold oder Räuber ist; mit einem solchen sollt ihr nicht einmal essen. Denn was soll ich die richten, die außerhalb der Gemeinde sind? Ihr richtet nicht einmal die, welche drinnen sind? 13 Die aber draußen sind, wird Gott richten. Tut den Bösen aus eurer Mitte hinweg!

Auch Menschen mit falschen Lehren, die nicht die biblischen sind, sollen abgewiesen werden. Christen sollen mit Irrlehrern keinen Umgang haben, wenn sie von ihrer Irrlehre trotz Zurechtweisung nicht ablassen. Dazu gehört in lezter Konsequenz auch das ständige Bemühen um interreligiöse Dialoge, gemeinsame interreligiöse Gottesdienste und das ganze dumnme Gerede von wegen: Wir beten doch letztlich alle zum selben Gott. Nein, Dialoge darf es nur zum Zwecke der Mission geben, denn es GIBT keinen anderen Weg zum Vater als durch den Herrn Jesus Christus, alles andere ist Irrlehre: 

Titus 3, 10

Einen sektiererischen Menschen weise ab, nach ein und zweimaliger Zurechtweisung, da du überzeugt sein kannst, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt, indem er sich selbst verurteilt.

2 Joh, 1, 7– 11

Denn viele Irrlehrer sind hinausgegangen in die Welt, die nicht bekennen, daß Jesus der im Fleisch gekommene Christus ist; das ist der Irrlehrer und der Widerchrist. Sehet euch vor, daß ihr nicht verlieret, was ihr erarbeitet habt, sondern vollen Lohn empfanget! Wer darüber hinausgeht und nicht in der Lehre Christi bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmet nicht auf in euer Haus und grüßet ihn nicht! Denn wer ihn grüßt, macht sich teilhaftig seiner bösen Werke.

2 Thess 3, 6 – 14

Wir gebieten euch aber, ihr Brüder, im Namen unsres Herrn Jesus Christus, daß ihr euch von jedem Bruder zurückziehet, der unordentlich wandelt und nicht nach der Überlieferung, die ihr von uns empfangen habt. ihr wisset selbst, wie ihr uns nachahmen sollt; denn wir lebten nicht unordentlich unter euch, wir haben auch nicht umsonst bei jemand Brot gegessen, sondern mit Mühe und Anstrengung Tag und Nacht gearbeitet, um niemand von euch zur Last zu fallen. Nicht daß wir kein Recht dazu hätten, sondern um euch an uns ein Beispiel zu geben, damit ihr uns nachahmen möchtet. Denn als wir bei euch waren, geboten wir euch dies: wenn jemand nicht arbeiten will, soll er auch nicht essen. Wir hören nämlich, daß etliche von euch unordentlich wandeln und nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben. Solchen gebieten wir und ermahnen sie durch unsren Herrn Jesus Christus, daß sie mit stiller Arbeit ihr eigenes Brot verdienen. Ihr aber, Brüder, werdet nicht müde, Gutes zu tun! Wenn aber jemand unsrem brieflichen Wort nicht gehorcht, den kennzeichnet dadurch, daß ihr nicht mit ihm umgehet, damit er sich schämen muß;  doch haltet ihn nicht für einen Feind, sondern weiset ihn zurecht als einen Bruder.

1 Thess 5, 14

Wir ermahnen euch aber, Brüder: Verwarnet die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmet euch der Schwachen an, seid geduldig gegen jedermann!

2 Tim 4, 2 (s. auch Apg 20, 31)

Predige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Geduld und Belehrung! Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich nach ihren eigenen Lüsten Lehrer anhäufen werden, die ihren Ohren schmeicheln; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zuwenden.

Es geht um nichts weniger als um das beharrliche Festhalten an der Sünde, um das Schönreden der Sünde, damit sie im Augenschein nicht mehr eine solche ist. Und DAS ist der alte Trick Satans, Halbzitate aus der Bibel (z. B. bei der Verführung Evas im Paradies, bei den Versuchungen Jesu in der Wüste), aus ihrem Zusammenhang gerissen, und schon gibt es einen neuen Sinn, und dieser Trick begegnet uns auf Schritt und Tritt: Die Bibel wird relativiert, indem ihr abgesprochen wird, das authentische Wort Gottes zu sein, das theopneustos, das von Gott Eingehauchte. Sie wird dem Zeitgeist hingebogen, indem sie durch kulturell-historische Ansichten relativiert wird. Diese Irrlehre ist in der gesamten theologischen Lehre verbreitet, das stärkste Gift überhaupt. Auf diesem Hintergrund ist jede Art der Interpretation möglich. Nichts mehr steht auf festem Grund, es gibt keine absoluten Wahrheiten mehr. In Wahrheit aber kann die Bibel nur durch sich selbst interpretiert werden, Spielräume für Privatauslegungen gibt es da nicht. Wehret den Irrlehren und ihren Verbreitern, vor allem in den Kirchen! Der dem Pfarrer von Ars zugeschriebene Satz: „Der Weg zur Hölle ist mit Priesterköpfen gepflastert“ gilt fortwährend. Priester aber sind alle getauften Christen, denn sie sind zu Priestern, Königen und Propheten nach der Ordnung Melchisedeks gesalbt. Unwissenheit wird kein Milderungsgrund sein, denn wir sind gehalten, das Wort Gottes zu studieren und die Unwissenheit mit Kenntnis anzufüllen, zu reflektieren und zu verkünden, es ist uns in der Bibel vollumfänglich zugänglich, wir müssen sie nur oft genug „essen“ und durch Erkenntnis glauben, glauben, glauben.

Glaubt nicht, ich hätte diese Erkenntisse schon immer oder gar aus mir selbst bekommen. Auch ich haftete der beliebten Idee von Gott als Abstraktum an. Gott wurde gar als ein verbaler Ersatz für natürliche Kräfte gesehen, mit dem man den Dummen die Welt erklären könne. Danach dachte ich von dem einen Gott, den letztendlich alle Religionen anbeten und es völlig egal sei, auf welchem Weg wir zu Gott fänden, Synkretismus. Auch war für mich völlig klar, dass die Bibel eine Art Historienerzählung sei mit viel virtuoser orientalischer Symbolik, die im Geiste und mit dem Wissen der damaligen Zeit geschrieben sei und insofern heute auf unsere Zeit übertragen werden müsste. Nichts könnte der Wirklichkeit ferner sein! Diese ganze falsche Karriere habe auch ich durchlaufen und bin dann vor einigen Jahren vom guten Hirten wiedergefunden worden, und seit ich wiedergeboren bin, hat sich mein Leben völlig verändert und einen Sinn bekommen, den ich in nichts anderem finden kann als nur in Jesus. DAS ist der Grund, warum die ganzen beunruhigenden äußeren Umstände mich inzwischen ziemlich kalt lassen, denn ich habe ja in seiner Obhut nichts zu befürchten und weiß die Dinge einzuordnen.

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