Von geistlosen Geistlichkeiten

Ein paar Gedanken zu dem, was man als Spielmann Gottes so alles erlebt, denn man kommt weit herum, bei Trauergottesdiensten, bei Messen und sonstigen Gottesdiensten, die diesen Begriff nicht füllen…

Da war zum Beispiel die Predigt zum Evangelium: Das Gleichnis vom Himmelreich als einem Hochzeitsmahl mit den klugen und den törichten Jungfrauen (Mt 25, 1-13), von denen die klugen genug Öl mitnahmen und die törichten nichts und daher die Ankunft des Bräutigams verschliefen.
Dieses wahrhaft grandiose Gleichnis vom Allzeitbereitsein für Gottes Reich spricht doch nun wirklich für sich, aber es gibt tatsächlich Geistlichkeiten, die es schaffen, es auf die Ebene von verschlafenen politischen Maßnahmen gegen den Klimawandel und das Verschlafen des sozialen Elends in Deutschland herunter zu brechen, um gleich im nächsten Halbsatz nach Erklärungen zu suchen, warum sie, also die Kirche, also dann wieder wir, verpasst haben, die Menschen für Gott zu begeistern, so dass inzwischen Halloween die Ur-Idee des Allerheiligenfestes dominiert und zu Weihnachten die Geburt des Schokoladenosterhasen gefeiert wird.

Ähhhm, ja, das muss man jetzt sortieren. Ecclesiogener Hedonismus gewissermaßen.
Da steht also ein alter Priester, einer jener nachkonziliaren Bilderstürmergeneration, der jahrzehntelang mit dem Evangelium als einer Soziallehre in der linken Überholspur am Kommunismus vorbeigesaust ist und beklagt sich nun, dass die Kirchen immer leerer werden. „Nun, lieber Merkwürden, das kann die AWO besser als IHR, da schmecken wenigstens der Kaffee und die Kekse, die Bude ist gut geheizt und die Stühle sind bequemer!“ hätte ich ihm am liebsten entgegengerufen. Aber seine legendären Autofahrermessen, die so kurz waren, dass man sie bei laufendem Motor mal eben mitnehmen konnte um seine Sonntagspflicht (wie verräterisch!) zu erfüllen, waren so voll, dass diese Fülle für die nächsten hundert Jahre reicht – meinen seine begeisterten Schäfchen vermutlich. Komisch nur, dass man deren Kinder und Enkel heute nicht mehr in den Kirchen sieht. Ja wie denn auch, wenn die Eltern schon nur mit geistigem Fastfood abgespeist wurden und infolgedessen spirituell krank und infertil geworden sind als dass sie ihre Kinder gehaltvoller nähren könnten! Wir ernten heute die Früchte, die diese Sozialarbeiter im Weinberg Gottes gesät haben.

Einem Heiligen wird nachgesagt, er habe geäußert, der Weg zur Hölle sei mit Priesterköpfen gepflastert, hm.

Woher werden zukünftig die Märtyrer kommen? Von Klatschegottesdiensten a la“ piep piep piep, wir haben alle lieb“? Ich kann gläubigen Moslems nicht verdenken, dass sie für diesen Verrat am eigenen Glauben im alten christlichen Europa nur Verachtung übrig haben. Wo bleibt die geistige Vitaminkur, die feste Nahrung, all die Vitalstoffe, die jene Glaubenszeugen hervorgebracht haben, die heute noch als die großen Vorbilder hingestellt werden?  Sie haben ihre Taten mit ihrer Gottesliebe aus dem Wissen um seine Gebote und dem Evangelium begründet. Woher aber Glauben nehmen, wenn selbst die einfachsten Zumutungen der Bibel politisch korrekt ausgelassen und uminterpretiert werden, um ja niemandem auf die Füße zu treten? Wer findet die Saat Gottes auf fruchtbarem Boden, und wer hegt und pflegt sie zukünftig in Europa? Wer von diesen spirituell adipös Genährten würde sich für seinen christlichen Glauben martern und töten lassen?

Da fällt mir noch ein aktuelles Beispiel ein, eine Predigt (Geistlicher in etwa gleiches Baujahr) zum Evangelium mit der Fangfrage der Pharisäer danach, ob man dem Kaiser Steuern zahlen müsse (Mt 22, 15-22), um Jesus eine Falle zu stellen, woraufhin er eine Münze nahm und die Pharisäer vorführte: „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott, was Gott gehört.“ Daraus kann man nun allen Ernstes eine Predigt über Kirchensteuer generieren, die bei „Maischberger“ oder vergleichbaren niederschwelligen Quasselshows sicher gut platziert wäre, aber für die spirituelle Belehrung der Kirchgänger keinerlei Nutzen bringt. Auf sowas muss man erst mal kommen.

Bei Trauerfeiern wird dann von sogenannten christlichen Geistlichen untröstlich erwähnt, dass die Verstorbenen solange nicht tot sind, solange man an sie denkt. Ach so, und was hat der Messias also dann mit seiner Auferstehung als Erster der Entschlafenen für eine Rolle gespielt? Richtig, vergessen, war wohl nicht so wichtig, dass er allen seinen Auserwählten die Auferstehung versprochen hat, ob nun von Irgendjemandem an sie gedacht wird oder nicht. Man bedient sich lieber bei Agnostikern zur Tröstung der Angehörigen, weil einem die christlichen Botschaften vermutlich inzwischen obsolet und peinlich sind, weil man sie vermutlich selbst nicht mehr glaubt. Dennoch kleidet man sich, als wäre man gerade einem Karnevalszug entsprungen, um ein wenig nostalgisches Flair zu erzeugen, na wenn das alles ist… dann dient das Christsein wenigstens noch zu irgendwas: Christliche Folklore samt „Ave Maria“ und Bonhoeffers Gute-Geister-Lied.

Ich frage mich manchmal, ob ich als Kirchenmusikerin nicht mal einen Antrag auf Schmerzensgeld stellen sollte… aber bei wem?

Gottlob gibt es genug gute Gegenbeispiele, das sei der Fairness halber auch erwähnt.

Herr, vielleicht wirfst Du beim nächsten Pfingstfest einfach mal Hirn vom Himmel, denn mit dem Geist hat es ja in den letzten Jahrzehnten nicht so richtig geklappt…

Wohl gegen schlechte Kunst gerichtet, ist Richard Wagners Aussage auch auf die Geistlichkeit übertragbar: „Wo der Heilige Geist ausging, redet man mit mechanischen Zungen“ = zu deutsch: BLECH!

Dieser Beitrag wurde unter Allgemeines, Christentum, Kirche und Orgel abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Von geistlosen Geistlichkeiten

  1. faehrtensuche schreibt:

    Du beschreibst die Zustände an der Basis (Ausnahmen bestätigen die Regel!).
    An der „Spitze“ sieht es ähnlich aus. Der Ratsvorsitzende der EKD Bedform-Strohm und Kardinal Marx legen ihre Kreuze ab – aus „Respekt gegenüber dem muslimischen Gastgebern?“ …
    Es ist nur mehr noch (als) ein Trauerspiel. …

  2. Henny Jahn schreibt:

    ja, diese unsäglich peinliche Geschichte hat zu Kirchenaustritten in meinem Umfeld geführt, man war nicht länger bereit, diesen Verrat am Christentum noch finanziell zu unterstützten, das spricht Bände…. mein Freund Arye Shalicar hat als Pressersprecher der IDF damals heftig auf die Pauke gehauen, da die hohe Geistlichkeit natürlich mal wieder den Israelis die Schuld in die Schuhe schob. Er tat es mit Erfolg, der Laden hat ganz schön gerappelt, es entbrannte eine öffentliche Debatte, die längst überfällig war.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s