Tanz auf dem Vulkan

kineret-und-golanDer Golan ist ein Fanal. Er ist schön wie die Sünde selbst. Wen er erfasst hat, den lässt er nur verwandelt wieder gehen. Sieht man seine prächtigen Früchte und die blühenden Hänge, möchte man annehmen, dass hier irgendwo das Paradies nur halb verloren gegangen sei. Sieht man dann die Ruinen der Kriege, weiß man, der Wunsch war Vater des Gedankens an das Paradies, und man landet steinhart auf dem Basalt des Golan.

Der Golan verändert jeden, ob man will oder nicht. Oder vielleicht nicht jeden, womöglich nur Diejenigen, die sich ganz auf ihn einlassen, die seine Geschichte mitatmen, und die er willkommen heißt. Er ist es, wo aus den Tiefen der Erde das Unterste nach oben gekehrt wurde (Denn es ist nichts verborgen, das nicht offenbar werde, und ist nichts Heimliches, das nicht hervorkomme…), ans Licht der Sonne, die die schönsten und köstlichsten Früchte Israels reifen lässt, und die Weine von Weltruf. Dieser irre Vulkan, er verstört, ein Riss in der Erdkruste, und ein Riss in der Zeit. Er hat mich am Wickel, es gibt kein Entkommen mehr.

Er war von Anbeginn der Zeiten ausersehen, das Initiationswasser des Höchsten zu gebären, den Jarden (Jordan). Moses überschritt ihn nicht mehr, er starb im Angesicht des Gelobten Landes, doch sein Volk, die Hebräer („Überschreiter“) überquerten ihn unter der Führung Jehoshuas und nahmen das Heilige Land von hier aus in Besitz. Kein Geringerer als der ausersehene Sohn des Höchsten aus dem Stamm Juda wurde mit dem Wasser des Golan getauft, jener Lebensader mit schönen großen Fischen, die in den tiefsten Punkt der begehbaren Erde mündet, das Salzmeer. Und es ist biologisch tot, in das der Fluss des Lebens mündet, Salz der Erde, welche Ironie!

Aber neben diesem himmlischen bildet der Golan den ungeheuerlichen Beginn auch eines irdischen Superlativs. Er thront wie ein König über einem explosiven Reich. Seine längst erloschenen Vulkane zeugen von Gewalten, die kein Militär auf ihm und um ihn aufbieten kann. Sie alle kratzen nur an seiner harten Kruste, aber er hat einen weichen, verborgenen Kern. Noch ist er verborgen, das kann sich ändern. Vom Militär gibt es viel dort, sehr viel sogar. Es stört zuweilen die heilige Ruhe des Golan, dann dröhnt die Stille dieser atemberaubenden Landschaft. Der Golan ist ein Pulverfass, innerhalb wie außerhalb.  Allenfalls die iranische Atombombe könnte seine Höllenschlunde öffnen und jenes Inferno entfesseln, vor dem Israel und die halbe Welt bangt. Vielleicht könnte die Bombe auch nicht, man weiß nichts Genaues.

Die Quellen des Jarden gleiten vom fast 3000 Meter hohen Golanberg Chermon hinunter ins Galiläische Meer, den hebräischen Kinneret, der seinerseits schon 200 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Auf diesem See und an seinen Ufern haben sich Geschichten zugetragen, die die Welt zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Europa wäre ein anderes, Amerika wäre ein anderes, und Israel wäre eine andere (auch wenn sie es manchmal nicht gern hören mag, sie ist ja jüdisch, wie der christliche Messias), hätten sich diese Dinge hier nie abgespielt. Und der Golan war immer stummer Zeuge. Der Göttliche berief nach Anzahl der Stämme seines Volkes seine Jünger an den Ufern des Sees zu Füßen des Golan, er zog sich an den Sockel des majestätischen Gebirges zurück um zu beten, immer wieder. Er sollte nicht der Einzige sein, der hier den Kontakt zu „Oben“ hält, eine große Anzahl uralter Synagogen auf der Ramat HaGolan, den Golanhöhen, zeugen davon. Der Golan ist israelitisch, ob Syrien und dem Rest der Welt das gefällt oder nicht.

Die tragikomische Figur des Shimon, welcher später der Grundstein seiner selbst oft tragikomischen Kirche werden sollte, wollte es seinem Messias gleichtun und versank wegen seines eigenen Unglaubens in den Fluten eben dieses Sees, aus denen der Messias ihn wieder hervorzog. Dieser selbst wandelte auf den aufgewühlten Fluten, die Fallwinde des Golan hätten das Boot fast zum Kentern gebracht, doch Jeshua gebot ihnen zu schweigen. Ist er der Einzige, der dem Golan und seinen Launen gebieten kann?

Von diesem geschichtsträchtigen See aus zieht die Schlagader des Jarden weiter bis zum Salzmeer. Es ist mit seinen 420 Metern unterhalb des Meeresspiegels der tiefste Punkt der trockenen Erde. Doch man soll sich nicht täuschen, hier endet die Geschichte nicht, die nahen Teergruben und der penetrant schweflige Geruch zeugen von einer regen Aktivität in der Tiefe der irdischen Eingeweide. Man ist hier dem Erdmittelpunkt am nächsten, jener feurigen Urgewalt, die kein Mensch der Welt bändigen kann. Auch Jerusalem ist von hieraus nicht weit, doch davon später.

Der Riss in der Geschichte geht weiter, längs durch das Rote Meer bis tief in den südöstlichen afrikanischen Kontinent hinein, bekannt als Rift Valley Kenias und Namibias mit seinen Riesenherden, Heimat unzähliger Tiere. Gesäumt ist dieser Große Afrikanische Grabenbruch von einer Kette von Vulkanen, wie der Golan, die jederzeit bereit sind, das Innerste nach Außen zu bringen und ein Hölleninferno zu entfesseln für Diejenigen, die ihnen zu nahe sind. Und Demut zu lehren. Überhaupt Demut. Sie lehrt der Golan. Seine atemberaubenden Landschaften, seine Horizonte, seine ewigen Geschichten von Eroberung,  Rückzug und Auszug seit Alters her. Zu seinen Füßen öffnet sich die Landschaft Galiläas, die so oft von Syrien beschossene.

Wenn man den Golan kennt, weiß man, warum er für Israel heute lebenswichtig ist. Nicht mehr primär des Wassers wegen, wie es noch 1967 war, als Syrien drohte, seine Quellflüsse am Jordan vorbei umzuleiten. Dafür gibt es heute in Israel Meerwasserentsalzungsanlagen. Sie würden allerdings dem Kinneret und dem Salzmeer nichts nützen. Doch man stelle sich vor, die chaotische Lage des heutigen Syriens hätte auch den Golan erfasst: Ganz Israel läge dem Beschuss durch verrücktgewordene Fanatiker ausgeliefert zu Füßen wie eine Fußmatte zum Schmutzabtreten. Mit dem Beschuss reicht es derzeit schon völlig. Er wird von Israel meist großzügig als Irrläufer aufgefasst und darum selten erwidert. Man will nichts riskieren. Fanatiker sind unberechenbar, vor allem ihre steuernden Hintermänner. Der Iran, zum Beispiel.

Israel mag sich in die fanatischen Kämpfe wildgewordener Muslime nicht einmischen. Sie könnte Terrororganisationen wie die Hamas, die Hisbollah oder auch den IS binnen Tagen verdampfen, doch die unzählbaren zivilen Opfer, die solche militärischen Operationen mit sich brächten, gehen gegen ihren jüdischen Ethos vom Wert unschuldigen menschlichen Lebens. Ihre 6 Millionen unschuldig hingemordeten Kinder stehen ihr ständig vor Augen. Deutschland vergaste, und die Welt sah interessiert zu. Und untätig. Nein, unterstützend – die deutschen Untaten unterstützend, nicht etwa die jüdische Hilflosigkeit.

Und heute fürchtet sich die Welt vor Israel, vor ihren etwa 6 Millionen jüdischen Einwohnern, als seien sie dämonische Wiedergänger ihrer ermordeten 6 Millionen Väter und Mütter, als wollten sie die Welt in Brand stecken um ihre Ahnen an ihr zu rächen.

Kein Land wird von der internationalen Staatengemeinschaft argwöhnischer beäugt als dieses winzige Fleckchen Erde – mit seinen Superlativen und seinen segensreichen Erfindungen, die sich jeder gern zu Nutze macht (ohne ihren Urheber zu kennen). Israel hat große Verantwortung, und die Welt täte gut daran, sie dabei zu unterstützen. Stattdessen wird sie mit Sanktionen, unsinnigen Abkommen und Resolutionen gequält.

Israel hat die Bombe. Ich spreche nicht von der Atombombe, denn da weiß man nichts Genaues. Sie hat eine weitaus gefährlichere Bombe in ihrer Obhut, den Tempelberg, an dem sich der finale Weltenbrand entzünden könnte, der Har-Magedon, der in der Bibel vorausgesagt wird. Die originalen „Locations“ dafür hat sie ja seit Jahrtausenden, den Ölberg, der sich dann teilen soll, und dem der Messias entspringt, der, durch das (von Muslimen vorsichtshalber zugemauerte) Goldene Tor geschritten, auf dem Tempelberg seinen neuen Tempel errichtet, das Kidrontal, in dem er das Endgericht abhalten wird, angrenzend das Tal des Ben-Hinnom, der Eingang zur Hölle für die ewig Verdammten.

Die ganze Kulisse ist in Jerusalem vorhanden, es muss nur noch knallen, um sie ihrer Bestimmung zuzuführen. Und genau das will Israel nicht. Niemand weiß, wie es ausgehen würde, wenn die Juden ihren alten Tempelplatz wieder einnähmen um dort zu beten und ein neues Heiligtum zu errichten. Nach allen Erfahrungen mit radikal-islamischen Staaten stünde die Welt in Flammen. Die geistigen Haltungen des Mittelalters, gepaart mit modernster Waffentechnologie, bedeuten fast zwangsläufig den zigfachen Overkill der gesamten Menschheit. DIESE Zeitbombe hütet Israel, nicht mehr, aber auch nicht weniger, und Israel hat an ihrem Fuße Halt gemacht – dem Wohle der Welt wegen, und schmerzhaften Verzicht geübt, und tut es fortwährend. Die Braut des Herrn begnügt sich mit einer Kellerwand, einer ziemlich unbedeutenden Stützmauer des Moriah mit irgendeiner Nähe zum alten Heiligtum, auf dessen altem Standort nun keifende, schwarzgekleidete muslimische Frauen regelmäßig ausrasten, wenn sich ein Jude oder Christ hier oben zum Gebet zu dem einen gemeinsamen Gott hinreißen lässt.

Und Israel hat darüber zu wachen, dass genau dies nicht geschieht. Der Tempelberg ist der einzige Ort in Israel, an dem es keine Religionsfreiheit gibt. Ein Abkommen mit Jordanien will es so. Welch ein Wahnsinn. Sonst droht der Weltenbrand. Der Grabenbruch, das Salzmeer und die Teergruben sind nicht weit von hier. Das Hölleninferno ist bei dieser Kulisse gut vorstellbar. Sei es nun der Jordangraben oder das Kidrontal. Die geologische Zeitbombe tickt ebenso wie die religiöse. Israel ist in jedem Fall der Schauplatz.

Das Heil kommt von den Juden. Hoffen wir, dass die Juden weiterhin mehr oder weniger gelassen und weise über die Selbstgefälligkeiten der Welt hinwegsehen und ihrer Verantwortung für den Weltfrieden nach ihren Möglichkeiten nachkommen. Die Juden wissen im Allgemeinen, dass der Messias erst kommt, wenn alle Israeliten aus den Völkern zurückgekehrt sind in das gelobte Land. Man mag sich das nun physisch oder metaphysisch vorstellen, derzeit ist es auf jeden Fall soweit noch nicht. Die Welt ist nicht bereit für IHN, noch lange nicht.

Und Israel wacht, dass der Messias nicht herbei gezwungen wird, weder von fanatischen Juden, die schon die Geräte für den dritten Tempel bereitet haben und am liebsten die Al-Aqsa sprengen würden, noch von fanatischen Moslems, die für ihren Dschihad den Weltenbrand bewusst in Kauf nehmen würden. Israel wacht darüber, garantiert. Mit dem Moriah als Zentrum, und dem Golan als Bollwerk.kineret0104

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2 Antworten zu Tanz auf dem Vulkan

  1. Cayceportal schreibt:

    Wow, was für ein Artikel, geradezu poetisch! Wahre Worte – nachdenklich stimmende Worte, die von großer Liebe zu Land und Volk zeugen. Das Zitat „das Heil kommt von den Juden“ stammt übrigens von Jesus selbst und ist im Johannes-Evangelium, Kapitel 4, Vers 22 zu finden … für alle, die selbst nachlesen wollen …

    • Horst Klutzny schreibt:

      Oja Henny, ich habe den Golan ähnlich empfunden, sicher nicht ganz so intensiv wie Du es beschreibst. Aber angerührt hat er mich schon, wie auch das übrige Israel bei meinem Besuch mit einer Reisegruppe im Frühjahr 2014. Ich kam verändert zurück. Es war wohl ein Geschenk das jeder bekommt der sich Israel und seiner Geschichte öffnet – ein Stück von dem Segen den der Allmächtige auf sein Volk gelegt hat. Danke für den Artikel.

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