Eine Liebeserklärung an die hebräische Sprache

Menorah_Israel_SymbolbildMit der hebräischen Sprache hat es einige besondere Bewandtnisse, die sie in der Tat von allen anderen Sprachen unterscheiden. Hebräisch war nie ausgestorben, hat aber im vorletzten Jahrhundert eine regelrechte Renaissance erfahren. Deswegen unterscheidet man für gewöhnlich zwischen Althebräisch (bibelhebräisch) und Iwrit (oder auch Ivrit), der modernen, gesprochenen Sprache Israels, (Ivrit heißt nichts anderes als ‚hebräisch‘ auf hebräisch) obwohl diese Unterscheidung in der Sache unsinnig ist. Natürlich kannte Moses weder Kühlschrank, Autobahn oder Computer, und selbstverständlich kommen diese Begriffe deshalb in der Bibel nicht vor. Für diese Dinge wurden in der Neuzeit auch neue Begriffe entwickelt, aber das haben alle lebendigen Sprachen gemein.

Die Juden sagen, dass jeder Mensch, der des Hebräischen mächtig ist, Moses verstünde, würde er heute wiederkommen und um ein Glas Wasser bitten. Wie in den meisten Sprachen gibt es die Alltagssprache und die gehobene Sprache (z. B. in Gebeten), die dem sog. Bibelhebräisch nähersteht. Geschrieben wird von rechts nach links, entsprechend sind auch die Bücher zu den uns üblicherweise bekannten spiegelverkehrt gebunden und werden gewissermaßen von hinten nach vorn gelesen. Es gibt in der Schrift nur Konsonanten, Vokale werden nicht notiert außer beim Bibelhebräisch in Form von Strichen und Punkten an den Buchstaben als Lesehilfe. All das aber sind Äußerlichkeiten.

Die Sprache hat eine eigene, sakrale Magie, die mit keiner anderen zu vergleichen ist. Jeden einzelenen Buchstaben umgibt ein Mythos an Eigenbedeutungen. Es gibt jüdische Menschen, die glauben, dass die Ursprache jedes Menschen Hebräisch sei. Man kommt mit dieser Sprache als natürlicher Gabe auf die Welt und wird danach umerzogen auf diejenige Sprache, unter der man aufwächst, dabei vergisst man das Hebräische. So betrachtet bin ich also dabei, meine uralten Kenntnisse wieder aufzupolieren, und ja, es fällt mir nicht schwer, es spricht sich gewissermaßen wie von selbst, wenn man ihre ‚Seele’ erfasst hat. Vielleicht hat sie ja auch meine Seele erfasst, die Reihenfolge kenne ich nicht so genau. Man muss diese Sprache lieben, sonst wird man sie weder sprechen noch je lesen oder schreiben können.

Ein alter jüdischer Mythos erhebt das Hebräisch in den Stand der Heiligkeit, und in der Tat war es ja der Überlieferung nach diejenige Sprache, in der Gott zum ersten Mal und vielfach wieder zu den Menschen gesprochen hat. Der Mythos sagt, dass alle 22 hebräischen Buchstaben vor der Erschaffung der Welt vor Gott traten und ihn baten, unter ihrer Verwendung die Welt zu erschaffen. Gott erklärte sich damit einverstanden. Der erste, vorwitzigste Buchstabe aber wurde zum letzten, das Taw; der letzte, bescheidenste aber zum ersten, das Alef. Aus diesen Buchstaben schuf Gott die Welt, und die hebräischen Buchstaben haben in der Tat tieferliegende numerologische und mystische Bedeutungen und Funktionen, die über den reinen Lautwert weit hinausreichen. So ist dem Alef die Zahl 1 beigeordnet, dem Taw die Zahl 400. In den Heiligen Schriften, die im Original auf Hebräisch geschrieben sind, ergeben sich dadurch unzählige geheimnisvolle Beziehungen der Worte auf einer zweiten, höheren Ebene.

Ein einfaches Beispiel dazu: Das Wort für Vater ist אב , für Mutter ist אם. Die den jeweiligen Buchstaben zugeordneten Zahlen sind 1+2=3  für  אב  und 1+40=41 für אם . Zusammen ergeben sie also 44. 44 aber gibt die Buchstabenfolge für den Begriff ‚Kind‘ (10+30+4): ילד
Das Kind ist sozusagen die natürliche Konsequenz aus Mutter und Vater.
Auf diese Weise funktioniert die ganze Sprache, sehr logisch, mathematisch aufgebaut.

Die Buschstaben der sogenannten Quadratschrift, die auch üblicherweise in Israel als Druckschrift verwendet wird, sind von einer ausgesprochenen Ästhetik, ich mag sie sehr, man sollte sie regelrecht zeichnen, dann ergeben sie ein hoch ästhetisches Schriftbild, eine regelrechte Kalligraphie. Diese Schrift ist wie die Sprache selbst uralt mit nur wenigen, unwesentlichen Modifikationen über die Jahrhunderte und Jahrtausende. Jeder Buchstabe beschreibt auch seinem Namen nach durch sein Erscheinungsbild stark abstrahierend einen Gegenstand, denn hierfür waren sie ursprünglich Zeichen.

Manch einem erscheint die Sprache klanglich sehr hart. Ich kann das nicht beurteilen. Sie ist in der Tat nicht vergleichbar mit englisch, italienisch oder französisch, ist eher von einer ähnlichen Härte wie das Deutsche, obwohl das r weicher gesprochen wird. Dafür gibt es eine stärkere Differenzierung an Kehllauten und quasi gehauchten Nuancen, die im Deutschen in dieser Differenzierung unbekannt sind.
Wer sich auf diese Sprache einlässt, begibt sich auf ein großes Abenteuer, das sich aus meiner Sicht absolut lohnt.

Segen des Cohen

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