Trauerfeiern und die Auferstehung der Toten

Da man bei Trauerfeiern immer wieder einen bestimmten Satz zu hören bekommt, möchte ich ihn hier einmal beleuchten. „Der Verstorbene ist nicht tot, solange noch jemand an ihn denkt“ oder … solange wir ihn noch in Erinnerung /im Herzen behalten“, so oder negativ formuliert „er ist erst tot, wenn niemand mehr an ihn denkt“ oder sinngemäß lautet dieser Ausspruch. Es ist ein zutiefst unchristlicher Satz, der zunehmend auch von christlichen, vor allem evangelischen Geistlichen zitiert wird, was ich besonders erschreckend finde: Erschreckend deshalb, weil ich in diesem Falle davon ausgehen muss, dass der jeweilige Geistliche nicht an die Auferstehung der Toten im Sinne der christlichen Lehre zu glauben scheint und ich mich dann augenblicklich frage, warum er den Habit eines christlichen Geistlichen überhaupt trägt. Die Auferstehung der Toten, und zwar die reale, nicht irgendeine symbolische, ist DER Kern der christlichen Botschaft schlechthin, die letzte Konsequenz aus dem Erlösungstod Jesu Christi. Denkt man den besagten (Un)Sinnspruch einmal zu Ende – und da werden auch Menschen zustimmen müssen, die nicht an die Auferstehung der Toten im eschatologischen Sinne glauben – leben nicht nur große Künstler, Erfinder und Wohltäter der Menschen ziemlich lange, da man sie ja schon allein aufgrund ihrer materiellen oder ideellen Werke von Generation zu Generation tradiert, also „an sie denkt“, sondern ebenso auch die Schwerstverbrecher der Menschheitsgeschichte, da ihnen dieser zweifelhafte „Ruhm“ ebenfalls zu Teil wird. Zu Ende gedacht, lebt nach dieser Philosophie ein berühmter Verbrecher sehr lange, aber ein Durchschnittsmensch, der treu und redlich seiner Arbeit nachgegangen ist und sich für seine Familie aufgeopfert hat nur bestenfalls so lange, so lange noch eben diese Familienmitglieder leben und an ihn denken, dann verschwindet er ganz schnell von der Bildfläche der Weltgeschichte, bis auch irgendwann sein Grab eingeebnet wird und der Grabstein verschwindet. Dann ist er also endgültig tot, weil ja niemand mehr an ihn denkt. Das hört sich ein wenig gruselig nach Scientology an, Leistungsdenken, möglichst auf die Pauke hauen, damit man nicht vergessen wird und lange lebt. Die Trostlosigkeit dieses Spruches ist kaum zu steigern, und das ausgerechnet bei Trauerfeiern, wo Trost gerade besonders erwartet wird. Korrigiert mich, wenn ich da etwas missverstanden habe.

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Eine Antwort zu Trauerfeiern und die Auferstehung der Toten

  1. Cayceportal schreibt:

    Ein Leben ohne den Glauben an eine höhere schöpferische Kraft/Macht – was kann noch trostloser sein? Kein Wunder, dass so viele Menschen keinen Sinn im Leben sehen!

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