Lärm und „open air“

Sommerzeit ist Festivalzeit und Partyzeit für Freiluftveranstaltungen aller Art. In quasi jedem Satellitenkaff mit etwas größerem Marktplatz werden inzwischen oftmals mehrere derartige Veranstaltungen im Jahr geboten, dabei aus mir unerfindlichen Gründen immer immens laute Musik, tendenziell: Je später der Abend, desto höher der Schalldruckpegel. Warum das so sein muss, weiß ich nicht, man kann dort vor Lärm sein eigenes Wort nicht verstehen, aber den Sinn muss ich als Berufsmusiker wohl auch nicht begreifen, da könnte ich genauso gut auf Mutterns Kochtöpfe eindreschen und das Ganze über Verstärker in die Welt senden, voll gaga, purer Lärm eben, von dem meist in einiger Entfernung nur noch die Bässe wummern (langwellige Frequenzen zielen weiter). O.k, o.k, alles Geschmackssache, Scheiße in der Dose eingelötet ist ja auch Kunst, habe ich mir sagen lassen. Soll jeder lärmen wie er will, wenn er mich denn nicht zwingt, mitzuhören. Gesetzliche Vorgaben in Sachen Uhrzeit/Nachtruhe werden hier oftmals durch die Genehmigungsbehörden (i.d. Regel Ordnungsämter) mit Sondererlaubnissen großzügig außer Kraft gesetzt. Die gequälten Anwohner resignieren oft und meinen, sie müssten das einfach hinnehmen, Irrtum. Ganz so einfach ist das nämlich nicht, wir haben alle ein Recht auf körperliche Unversehrtheit und damit auch auf Ruhe. Immerhin mühen sich ganze Industrien mit Milliardensummen um Schallschutz jedweder Art, und das ist gut so, denn jedermann weiß, dass Lärm krank machen kann. Dieser Schallschutz wird aber bei Freiluftveranstaltungen außer Kraft gesetzt, denn z. B. die Anwohner werden tagelang zwangsbeschallt. Ich bin wegen ständig zunehmenden Lärms vor allem von entsprechenden Veranstaltungen von einer derartigen beliebten „Location“ (zu deutsch: für Lärmereien beliebte Örtlichkeit) weggezogen, seitdem herrscht wohltuende Ruhe – bis auf letztens, da hat es ein Veranstalter tatsächlich geschafft, quasi ganz Dortmund zu rocken, dass ich trotz hervorragender räumlicher und baulicher Abschirmung und einige km Luftlinie weiter nicht in den Schlaf kam und wegen des Bassgewummers in die Magengrube göbeln musste. Also hagelte es gleich am nächsten Tag eine Anzeige wegen Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft, die inzwischen die Ermittlungen gegen den Veranstalter aufgenommen hat, gerade gestern kam das Schreiben. Ein Tipp an euch: Wenn jemand lärmt, gar nicht erst die Polizei holen, die können eh nix machen, die sagen nur: Du Böser du, lass das doch bitte sein, sonst kommen wir wieder, gelle? Das kann hundertmal so gehen, kleines nettes Ordnungsgeldchen und blabla. Gleich Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung (nicht Lärm!) erstatten und für den Rest der Nacht die Zähne zusammenbeißen. Vermutlich war es dann die letzte schlaflose Nacht wegen desselben Veranstalters…

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