Störung der Totenruhe

Derzeit empören sich Archäologen über die Grabschändungen und Grabplünderungen, die unter den politischen Unruhen in Ägypten an dessen alter Hochkultur geschehen. Der zersetzte Sicherheitsapparat hat derzeit andere Probleme als die alten Gräber zu schützen. Außerdem ist der Islam – wie viele andere Religionen auch – anderen Bekenntnissen gegenüber hoch intolerant und überheblich, und dadurch rechtfertigen die Grabräuberbanden ihre Taten, denn es handelt sich bei den Toten ja schließlich um „Ungläubige“. Welch unsägliche Überheblichkeit in diesem Begriff steckt, ist nicht Thema dieses Artikels, die Geisteshaltung dahinter aber sehr wohl. Vielmehr ist es die Verlogenheit der Archäologen und anderer Kulturwissenschaftler, die nun die Stimme erheben nach dem Motto „haltet den Dieb!“. Was denn tun Archäologen den lieben langen Tag lang? Sie schänden Gräber und stören die Totenruhe der Vorausgegangenen, würdigen sie zum Objekt herab. Sie zeigen keinen Respekt für die Jenseitsvorstellungen der zu erforschenden Kultur, denn dann würden sie die Gräber, die für die Ewigkeit errichtet sind, nicht öffnen sondern für alle Zeiten unangetastet lassen, wie die Erbauer sich dies auch vorgestellt haben. Die Wissenschaft aber ist ein modernes goldenes Kalb, um das man tanzt, dem man alle Tabus opfert, sie rechtfertigt fast alles, erst recht vergangenen Kulturen gegenüber. Ausgestellte Mumien, Moorleichen, allenfalls noch dem Voyeurismus dienlich, sind die Schandmale und die spirituelle Bankrotterklärung unserer modernen Gesellschaft, die vor nichts Respekt hat außer vor ihren eigenen Interessen. Die Menschen in Ägypten plündern die Gräber teilweise aus existenzieller Not um die Grabbeigaben zu verkaufen damit ihre Familien nicht verhungern, die Archäologen aber plündern die Gräber und stören die Totenruhe aus einer unbekannten Neugier, aus Profilierungssucht innerhalb der Wissenschaftsszene. Im selben Maße, in dem unser moderner Totenkult immer mehr zu einer Entsorgungsindustrie verkommt, schwindet der Respekt vor den Verstorbenen selbst und vor dem Ur-Menschlichen an sich. Am Totenkult und am Respekt vor den Ahnen misst sich die Entwicklungsstufe einer Zivilisation. Nach diesem Maßstab sieht es für uns nicht gut aus …

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5 Antworten zu Störung der Totenruhe

  1. Hans Jahn schreibt:

    Diese kulturwissenschaftler – kennen die kein Schamgefuelhl ? Danke für die klaren Worte.

  2. Cayceportal schreibt:

    Warum sollten Wissenschaftler, die nicht einmal Respekt vor der Kultur und Spiritualität der Lebenden haben, ausgerechnet Respekt vor den spirituellen Vorstellungen vergangener Kulturen haben? Aber viele Wissenschaftler und ihre hörigen Jünger rechtfertigen ja alles irgendwie …

  3. Henny Jahn schreibt:

    Ja, die Wissenschaft läuft auf fast allen Gebieten Amok, und erstaunlicherweise gibt es kaum Menschen, die sie ernsthaft hinterfragen, dabei wissen wir doch inzwischen gut genug, dass die Wissenschaftsdogmen von gestern die Irrtümer von heute sind, die Dogmen von heute die Irrtümer von morgen usw.

  4. Frederic Spohr schreibt:

    William Shakespeare hat seinen Grabstein mit folgender Inschrift versehen lassen:

    GOOD FREND FOR JESUS SAKE FORBEARE,
    TO DIGG THE DVST ENCLOASED HEARE.
    BLESTE BE THE MAN THAT SPARES THES STONES,
    AND CVRST BE HE THAT MOVES MY BONES

    Er verflucht den, der seine Totenruhe stört.

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