Wo der Heilige Geist ausging

Nun ist die sprichwörtliche Bombe geplatzt. Der tiefgreifende Umstrukturierungs- und Verschlankungsprozess der katholischen Kirche in Deutschland hat nun auch unsere Pastoralen Räume (merkwürdiges bürokratisch-entfremdetes Verbalkonstrukt), also zu Deutsch: Unsere Dortmunder Kirchengemeinden erfasst.

Beobachtet haben wir diesen schmerzhaften Prozess schon seit Jahren in ganz Deutschland, vor allem direkt nebenan im Bistum Essen, nun geht es uns an den Kragen. Viele wachten jüngst auf und schüttelten sich: Was, unsere Kirche wird geschlossen und abgewickelt?! Allein hier im Süden trifft es drei von fünf Kirchen. Eine weitere ist schon dicht.

Allgemeine Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit, Wut, Hilflosigkeit, die Emotionen kochen hoch: „Da bin ich schon getauft worden/zur Erstkommunion gegangen/ haben dort geheiratet usw., und nun soll sie abgerissen werden, oder es entstehen Wohnungen darin? Wo finden wir eine neue spirituelle Heimat, was ist mit unserem Kirchenkaffee, unserer Gemeindegruppe, unseren Senioren, die nicht mehr mobil sind und nicht mal eben ein paar Kilometer zur nächsten Kirche fahren können?“

Kirche ist Heimat, und die Heimat wird absehbar verriegelt und ist dann nicht mehr. In Wahrheit ist sie ein Gebirge aus Steinen, das die Ewigkeit ohnehin nicht überdauert, im Gegensatz zu unserem Glauben. Vielleicht wird das vom ein oder anderen zu wenig bedacht. Alles auf Erden ist endlich, das Leben besteht aus lauter Abschieden und Anfängen. Es liegt daran, ob wir das als Chance sehen, was wir daraus machen.

Auch für das Personal wird es ungemütlich, vor allem für die Geistlichen. Zu viele in Dortmund, zu wenige auf dem Land. Hiobsbotschaften sind mitunter besser zu ertragen als ewig lange Hängepartien. Sie haben aber dem Bischof Gehorsam gelobt, es ist wie in der Ehe, in guten und in schlechten Zeiten. Auch Priester sind in erster Linie Menschen, das wird manchmal im Eifer des Gefechts vergessen. Wenn man böse wäre, könnte man von Pfründen sprechen, die mal sicher waren, nun nur noch trügerisch. Alles wird erschüttert.

Schuldige werden gesucht, sie sind auch schnell ausgemacht, aber ist das wirklich ehrlich?

Das Phänomen der immer leerer werdenden Kirchen erstreckt sich über viele europäische Länder. Das ist im asiatischen und afrikanischen Raum ganz anders. Der Papst ist Vorsteher einer Weltkirche, das vergessen die Deutschen gern immer mal wieder mit ihrem Synodalen Weg. Natürlich ist die Besucherzahl einer Kirche nicht 1:1 gleichzusetzen mit der Anzahl der Gottgläubigen, der tatsächlichen Christen. Eine statistische Evidenz hat sie aber schon.

Ich maße mir als bekennende Christin an, mir eine Meinung zu den Ursachen dieses Phänomens zu bilden, denn ich stecke gewissermaßen mittendrin.

Viele Christen sind in Dingen der Bibel, also dem Wort und Willen Gottes, erschreckend ahnungslos. Die Bibel wird in der Mehrheit nicht mehr als untrügliches Gotteswort und damit als Absolutes verkündet und wahrgenommen sondern als eine Art Wohlfühlhelferlein, das man gerade so auslegt, wie es dem Zeitgeist gefällig ist. Schließlich ist sie ja ein paar tausend Jahre alt, da muss man nicht alles so eng sehen – so wird in breiter Fläche von maßgeblichen deutschen Theologen argumentiert. Ich spreche in diesem Zusammenhang gern von Theolügen, Verräter an Gottes Wort. Beispiele dafür finden sich in den Exzessen auf dem jüngsten Katholikentag, ich will hier nicht weiter ins Detail gehen, dazu findet man in diesem Blog zur Genüge. Der Zeitgeist ist aber nicht der Heilige Geist, meist eher das Gegenteil. Auch anderen Bekenntnissen gegenüber tolerieren wir uns zu Tode. Der Islam kann nicht denselben Gott anbeten wie wir, denn unser Gott ist dreieinig, der Vater hat einen Sohn, dieser wiederum schickte den Heiligen Geist zu den Seinen. Der Islam sieht in dem Gottessohn nur einen Propheten.
1 + 1 kann nun mal nicht gleichzeitig 2 und 3 sein. Nur eines davon stimmt, und das ist im religiösen Bekenntnis nicht anders. Es gibt nur einen Weg zu Gott. (Joh. 14, 6*). Die Entscheidung für das Eine ist automatisch die Ablehnung des anderen. Wir haben einen Missionsbefehl, und das heißt nichts anderes, als Andersgläubige von unserem Bekenntnis zu überzeugen. Das ist politisch völlig inkorrekt. Das war Jesus übrigens auch, deswegen haben sie ihn gekreuzigt.
Missionsbefehl: Mit Hilfe des Heiligen Geistes, nicht mit Messern und Gewehren. Aber dafür müssen wir uns erstmal selbst im Klaren sein, WAS wir da eigentlich glauben, WAS wir verkünden. Wo geschieht das in deutschen Landen? Mit dem Weihnachtschristentum kann man bestenfalls noch Konzertsääle füllen, Nischenkultur pflegen und beisteuern, aber man kann damit keine Gemeinden bilden oder gar den Glauben verkünden und verbreiten, ja, verlorene Seelen retten.

„Wo der Heilige Geist ausging, redet man mit mechanischen Zungen“.
Dieser alte Satz von Richard Wagner trifft die Problematik im Kern, obschon er die Musik und ganz sicher nicht die Kirche meinte.

Warum sollte Gott Priester-, Ordens- und Laienberufungen schicken, wenn von Bischofssitzen politische Agenden anstelle des Evangeliums verkündet wird?

Die Problematik liegt auf geistiger Ebene.

Wir haben uns feist eingerichtet mit unserer Vollkaskomentalität, wir haben ein Wohlstandschristentum, ein geistlig und geistig verwahrlostes Kirchensteuerchristentum. Man kann sich gegen alles und jedes versichern, seine Liebsten sogar gegen die Todesfolgen des Familienernährers, aber gegen eines können wir uns gegen Geldzahlung nicht versichern, gegen den eigenen Tod. Es ist merkwürdig ruhig um dieses Thema, auch in Kirchengemeinden, dabei liegt die Sterberate immer noch bei 100%. Spätestens dann, wenn ein lieber Angehöriger stirbt, tuen sich tiefe existenzielle Abgründe auf, DA entscheidet sich, ob wir tatsächlich auf die Lebensversicherung unseres Herrn Jesus Christus bauen, oder ob wir zweifeln – verzweifeln, in Nacht versinken. HIER ist die Scheidewand. Und die Antworten auf die Fragen zu den letzten Dingen finden wir eben nicht in Klima- und Schwulenkirchentagen.

Das Beste, was Satan erfinden konnte, war die Kirchensteuer.  Ein Verwaltungsapparat mit allem Zubehör lässt sich jahrzehntelang leistungslos aufrechterhalten, wie jede Verwaltung, es muss nicht geliefert werden in Sachen Mission. Man kann das Geld für unnützen Krempel zum Fenster hinauswerfen, ohne geistlich abzuliefern, und genau das fliegt der Kirche nun um die Ohren. Sie hat ihren göttlichen Auftrag aus den Augen verloren. Die Kirche ist narkotisiert und wird nun durch den Zwang der drastisch schrumpfenden finanziellen Mittel jäh aus dem Tiefschlaf gerissen.

Ich sehe darin eine Chance, vielleicht eine letzte für das Abendland. Wir müssen zurück zu den Wurzeln, zu den Anfängen der christlichen Gemeinden, das ist unsere letzte Chance. Wenn wir die verpassen, wird sich erfüllen, was Paulus über den großen Glaubensabfall schrieb. Abfallen kann man nur von etwas, dem man einst anhing, und es gibt keine einzige Epoche in der gesamten Kirchengeschichte, in der sich ein derartiger Abfall vom Glauben als Massenphänomen völlig ohne äußeren Zwang vollzog. Seien wir wach:

2. Thessalonicher 2, 3: Lasst euch durch niemanden und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit offenbar werden, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt.

*Joh. 14, 6: Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

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