Warum musste Jeshua zur Erlösung Israels sterben?

Heute gedenken die Christen des Martyriums und des Kreuzestodes Jesu/Jeshuas. Jeshua kam nach eigener Aussage, um das Gesetz (die jüdische Torah) zur erfüllen, nicht aufzuheben (Mt 5, 17). Die jüdischen Ehegesetze (ebenso die christlichen) sahen und sehen nicht vor, dass eine Frau denjenigen Mann, den sie zuerst geheiratet hat, nach einer Scheidung ein zweites Mal heiratet:

Wiederaufnahme einer geschiedenen Ehefrau (5 Mose 24)

1 Wenn ein Mann eine Frau geheiratet hat und ihr Ehemann geworden ist, sie ihm dann aber nicht gefällt, weil er an ihr etwas Anstößiges entdeckt, wenn er ihr dann eine Scheidungsurkunde ausstellt, sie ihr übergibt und sie aus seinem Haus fortschickt ,2 sie sein Haus verlässt, die Frau eines anderen Mannes wird, 3 wenn dann der zweite Mann sie nicht mehr liebt, ihr eine Scheidungsurkunde ausstellt, sie ihr übergibt und sie aus seinem Haus fortschickt oder wenn der andere Mann, der sie geheiratet hat, stirbt, 4 dann darf sie ihr erster Mann, der sie fortgeschickt hat, nicht wieder heiraten, sodass sie wieder seine Frau würde, nachdem sie für ihn unberührbar geworden ist. Das wäre dem Herrn ein Gräuel.

Jer 3,8 „Auch sah sie, dass ich Israel, die Abtrünnige, wegen ihres Ehebruchs entließ und ihr die Scheidungsurkunde gab. Aber das schreckte ihre Schwester Juda, die Treulose, nicht ab; sie ging hin und trieb ebenfalls Unzucht.“

Mt 5,31 „Ferner ist gesagt worden: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt, muss ihr eine Scheidungsurkunde geben.“

Mt 19,7 „Sie sagten zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, der Frau eine Scheidungsurkunde zu geben und sie aus der Ehe zu entlassen?“

Mk 10,4 „Sie sagten: Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen.“

Überträgt man diese Sätze auf das Verhältnis Gottes zu seinem Volk Israel (s. Jer. 3,8), könnte Gott seine Braut Israel nach dem Gesetz nicht wieder heiraten, denn diese hat ja durch Götzendienst Ehebruch begangen, und dafür hat Gott ihr eine Scheidungsurkunde ausgestellt. Die einzige Lösung dieses Problems wäre also der Tod des Ehepartners (…bis dass der Tod euch scheidet“  gilt bei den Christen bis heute), was auf den ersten Blick absurd klingt. Ein ganzes Volk aber konnte und durfte nicht sterben, also hat genau dies der andere Ehepartner getan, nämlich Gott in Form seines Sohnes Jeshua. Er hat in einem einmaligen Akt alle Sünden seines Volkes auf sich genommen, ist zum letztgültigen Opferlamm geworden und konnte nur dadurch seine alte Braut Israel, die er zuvor wegen Ehebruch entlassen hatte, wieder heiraten.

Hebr. 8, 8
Denn tadelnd spricht er zu ihnen: „Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da werde ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen, 9 nicht nach der Art des Bundes, den ich mit ihren Vätern machte an dem Tag, da ich ihre Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie blieben nicht in meinem Bund, und ich kümmerte mich nicht um sie, spricht der Herr.

10 Denn dies ist der Bund, den ich dem Haus Israel errichten werde 2 nach jenen Tagen, spricht der Herr: Meine Gesetze gebe ich in ihren Sinn 3 und werde sie auch auf ihre Herzen schreiben; und ich werde ihnen Gott und sie werden mir Volk sein. (Anm: nicht mehr die Torah ist das Gesetz des Neuen Bundes, das geschriebene Wort, sondern das Gewissen des von Gott erfüllten Herzens)

11 Und nicht werden sie ein jeder seinen Mitbürger und ein jeder seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn alle werden mich kennen, vom Kleinen 4 bis zum Großen unter ihnen.

12 Denn ich werde gegenüber ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden werde ich nie mehr gedenken.“ (Anm: Jeshua ist wie ein Opferlamm des alten Bundes gestorben und hat die Sünden ein für allemal hinweggenommen, ein weiteres Opfer ist nie wieder nötig)

13 Indem er von einem „neuen“ Bund spricht, hat er den ersten für veraltet erklärt; was aber veraltet und sich überlebt 5, ist dem Verschwinden nahe.
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Diese Neuvermählung ist das, was die Christen als „neuen Menschen“ angenommen und angezogen haben. Wer diesen Neuen Bund nicht annimmt, steht unter dem Gesetz und muss nach wie vor versuchen, alle 613 Ge- und Verbote darin zu erfüllen. Wer sich unter den Neuen Bund stellt, ist nicht mehr dem Gesetz und damit dem Urteil verhaftet sondern untersteht der Gnade, der bedingungslosen und verzeihenden, unverdienten Güte Gottes. Dies ist meines Erachtens der entscheidendste Unterschied zwischen Judentum und Christentum, der nicht durch irgendeine Art von Synkretismus überwunden werden kann und darf. Damit würde man keiner der beiden Religionen gerecht. Der Mensch muss sich entscheiden, ob er unter dem Gesetz oder unter der Gnade stehen möchte.

„Der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei“ (Mt, 27, 51). Dies geschah im Moment des Todes Jeshuas. Warum ist dieses Ereignis bedeutsam? Der Tempelvorhang trennte den heiligsten Bezirk des Tempels, den Präsenzort Gottes, der vom Hohepriester nur einmal im Jahr betreten werden durfte, um Buße für die Sünden des Volkes zu tun. Mit dem Opfertod Jeshuas aber war die Schuld des Volkes ein für allemal getilgt, und daher war dieses Ereignis der Anfang vom Ende des Tempeldienstes und des Tempels selbst.

Übrigens war der Ort des Allerheiligsten im Herodianischen Tempel ziemlich leer, es gab dort keine Bundeslade mehr und damit auch kein Allerheiligstes im materiellen, unmittelbaren Sinne. Wer hieran noch glaubte, wurde in diesem Moment ent-täsucht. Jeshua verstand sich selbst als neuen (dritten) Tempel „Reißst diesen Tempel nieder, und ich will ihn in drei Tagen wieder aufbauen“ (Joh 2, 19). Damit deutete er auf seine Auferstehung nach drei Tagen. Auch zu diesem großen und endgültigen Opfer war der Tod Jeshuas notwendig, denn hätte er sein Leben nicht hingegeben, wären die Sünden des Volkes bis auf den heutigen Tag nicht vergeben worden, die Erlösung hätte nicht stattgefunden. 70 Jahre später existierte der steinerne Tempel nicht mehr, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen für den Tempelopferkult, der bis auf den heutigen Tag ausgesetzt ist.

Mir ist klar, dass meine jüdischen Leser diese Ausführungen nicht akzeptieren können, aber sie sind die christliche Deutung jener Ereignisse vor 2000 Jahren in Jerusalem.

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Eine Antwort zu Warum musste Jeshua zur Erlösung Israels sterben?

  1. Cayceportal schreibt:

    Ja, ja und nochmal: ja! Danke für diese wirklich gute und schlüssige Erklärung!

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