Kirchenaustritt? Ein Manifest

Vor mehreren Jahren frug mich ein Bekannter aus der Orgelbauszene, warum ich eigentlich noch nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten sei, da ich doch in so vielen Dingen zu anderen Erkenntnissen gelangt sei, als zu dem, was die Kirche lehrt. Angeblich sei ich intellektuell und geistig längst darüber hinausgewachsen, und er gab sich selbst die Antwort als vermeintlich rhetorische Frage: „Mama, Papa, Job?“

Au man, dachte ich damals, sollte der Typ dich besser kennen als du dich selbst? Und ich begann das erste Mal, ernsthaft über diesen Schritt nachzudenken, den hoffentlich die meisten Austrittswilligen nicht leichtfertig tun. Ich hatte damals keinen glaubwürdigen Konter auf seine Frage, was mich umso verlegener machte. Vielleicht das Verlassen der Komfortzone? Immerhin sichert mir der Kirchenjob so etwas wie eine Existenzgrundlage vor allem in Sachen Sozialversicherungen. Es würde ohne diesen Job erstmal recht ungemütlich. Mama und Papa würden in der Tat nicht in Ruhe die Augen zu machen können, sollte ich in den berühmten Sack hauen. So etwas tut man in deren Generation einfach nicht.

Das Argument Mama und Papa erledigt sich aber irgendwann, bliebe also noch der Job. Aber ist das wirklich alles? Die Frage trieb mich lange um, um nicht zu sagen, jahrelang, zumal alle, wirklich alle Freunde meines engsten Umfeldes diesen Schritt vollzogen haben – viele davon als ehemals höchstengagierte Ehrenamtler in der katholischen und auch in der evangelischen Kirche, tiefgläubige Menschen, sicher viele gläubiger als so mancher Taufscheinchrist, der brav seine Sonntagspflicht wahrnimmt. „Ich trete aus, weil ich Christ bin!“ Aua, der saß – und ich? In einem Fall liegt die Begründung schon jahrelang auf dem Tisch eines Priesters, aber keine Antworten. Meine Begründung für diesen Schritt liegt auch lange fertig in der Schublade/auf der Festplatte, was bei Kirchenangestellten automatisch die Kündigung nach sich zieht. Religionsfreiheit gilt nicht für Kirchenangestellte. Wäre der Job aber wirklich die einzige Motivation, wäre ich so eine Art Hure im Dienste des Herrn, furchtbar.

Da ist aber mehr. Rede ich mir das schön, oder ist das wirklich so? Die Antwort auf diese Frage bekam ich im Laufe etlicher Diskussionen über das Thema Kirche vom Herrn selbst, was nicht heißt, dass sie endgültig ist. Sie ist JETZT gültig, vielleicht noch morgen, und übermorgen? Nichts auf dieser Erde ist endgültig. Ich jedenfalls möchte mein Leben lang lernfähig bleiben, und so können sich Einsichten und Rückschlüsse ändern.

Anlässlich einer aktuellen Kampagne des jüngst ausgeschiedenen Erzbischofs Becker von Paderborn bekam die Frage neue Aktualität, und ich las wieder einmal meine Begründung, die verstohlen in der Schublade schläft.

Inzwischen stellte ich fest, dass ich das „Credo“ wieder aus vollster Überzeugung mitbeten kann, das war mal anders, bis auf eine Passage, diejenige mit der katholischen Kirche. „Catholicos“ heißt „allumfassend“, und wenn ich das dann auf die Gemeindegründung Jesu münze, passt am Ende auch das. Manchmal braucht man wohl ein weites Herz.

Was aber war eigentlich passiert, was hatte sich eingeschlichen?

Ich bin katholisch erzogen und habe die ganze katholische Karriere inclusive Messdiener, Jugendgruppen und pipapo mit Selbstverständnis durchgemacht. Auch das Elternhaus war in hohem Maße in der Kirche engagiert. Immerhin habe ich das Abitur auf einem erzbischöflichen Gymnasium gemacht und dann mit der Kirchenmusik einen Beruf gewählt, bei dem ich wiederum im Dunstkreis der Kirche zugange bin – und in gewisser Weise in ihre fatale Abhängigkeit geriet, was mich damals noch nicht interessierte. Auch im zweiten Beruf, dem Orgelbau. Die Dinger stehen nun einmal hauptsächlich in Kirchen. Für die geistige Einsicht, dass ein nicht kirchlicher Beruf dennoch zur Gottesnähe führen kann, hat es damals noch nicht gelangt, und auch das hatte Gründe, die heute selbst für mich nur noch schwer nachvollziehbar sind.

Ich hatte immer schon das absolute und dringliche Verlangen, möglichst oft und möglichst lange mit Heiligem umgeben zu sein, im Grunde in Gottes Dunstkreis zu wirken, und so war die Berufswahl naheliegend. Wäre ich ein Mann, wäre ich aller Wahrscheinlichkeit nach Priester geworden. Und nein, ich bin ein entschiedener Gegner des Frauenpriestertums, weil dies schlichtweg unbiblisch ist! Gott hat mich nun mal als Frau erschaffen, also konnte er diesen Schritt nicht wollen.

Überhaupt habe ich Vieles auf Gottes Vorsehung anstatt auf meinen eigenen Sturkopf geschoben. Ohne Gottes Führung wäre ich allerdings nicht dort, wo ich heute bin, sowohl materiell als auch geistig, und dafür bin ich zutiefst dankbar. Der rote Faden ist nie gerissen, auch nicht in den größten Verirrungen. Die katholische Kirche hat einen gehörigen Beitrag zu meiner geistig-geistlichen Bildung beitragen, und dafür bin ich zutiefst dankbar. Es ist nicht DIE Kirche, es sind immer einzelne Menschen, die ihren Glauben leben und vermitteln. Im besten Falle zündet der Funke, so wie bei mir. Im Nachhinein erkennt man sowas. Alles aber auf Gottes Vorsehung zu schieben, entbindet einen von jeder Verantwortung für sich selbst, die aber irgendwann wie eine sich auftürmende Welle mit donnernder Gewalt über einem zusammenschlägt. Gott hat viel Geduld, und das Leben ist lang. Wenn man selbst den Faden nicht durchschneidet, zerreißt er nie, das sei allen gesagt, die mit dem Gedanken spielen, zusammen mit der Kirche auch Gott den Rücken zu kehren. Das eine hat mit dem anderen nicht zwangsläufig etwas zu tun, oft im Gegenteil.

Die Diskrepanzen zwischen mir und der katholischen Kirche, besser: der Administration, bewegten sich jahrzehntlang auf einem normalen Level, mal mehr, mal weniger normal. Gottes Bodenpersonal, dazu gehöre ich per definitionem ja nun auch, ist nun mal fehlbar. Da gibt es Verletzungen, Wurscht wider Wurscht, wie man im Ruhrpott so schön sagt. Niemand ist auf Erden engelgleich, auch nicht Kirchenleute. Leider beobachte ich, zumindest machen uns das die Medien weis, dass die meisten Leute wegen des Versagens der Administration austreten, jüngste Beispiele: Die Skandale um vertuschten Kindesmissbrauch. Ich persönlich kenne keinen einzigen, der deswegen ausgetreten ist. Auf so eine Schnapsidee muss man erst mal kommen. O.k., die feiste deutsche Kirchenadministration funktioniert nur durch die Kirchensteuern, und wenn man austritt, entzieht man ihr einen Teil ihres Futters, das ist das gewichtigste Argument für einen Austritt der Administration wegen. Übrigens entzieht er auch das Gehalt für die Kirchenangestellten, das nur nebenbei. Aber niemand ist in die Kirche gekommen wegen der Administration, also zieht dieses Argument bestenfalls nur halb. Ich selbst könnte Bücher über den Ärger schreiben, den ich und meine Familie mit dieser Administration hatten, aber deswegen auszutreten, wäre mir nicht in den Sinn gekommen.

Was ist es dann?

Ich muss heute resümieren, dass ich früher ein sehr gesetzlicher Christ war, so eine Art ultraorthodoxer Christ. Gesetzlich, formalistisch. Der Formalist ist ein zutiefst verunsicherter Mensch, der strikte Regeln liebt, weil er damit seine Sachen am besten und mit kalkulierbarem Ausgang auf die Reihe bekommt. Er gibt die Verantwortung an Regelwerke ab, Komfort hoch zehn, aber ebenso sklavisch. Jedes Ding hat eben zwei Seiten.
Hauptsache, alle sitzen in der Kirche still, rühren sich nach Möglichkeit nicht (plärrende Kinder? Ein NoGo!), tragen keine auffälligen Klamotten, die die Blicke auf sich ziehen, bloß keine nervige Schlagzeugmusik nebst Klampferei, kein Herumgehampel irgendwelcher Kindergartenkinder, das Brimborium am Altar geht bitteschön reibungslos vonstatten, die Messdiener tragen anständiges Schuhwerk (Turnschuhe führen mit Sicherheit zur Ungültigkeit der Messe), dasselbe gilt für die Lektoren (hoffentlich nicht schon wieder eine Frau am Ambo!), die Orgel klingt erhaben, der Weihrauch ist wohldosiert. Und ich womöglich ein wohlfunktionierendes Rädchen in diesem Getriebe als Kirchenmusikerin, bingo! DANN war das ein geistliches Highlight – dachte ich jahrzehntelang, bis eines schönen Tages der Blitz des Heiligen Geistes bei mir einschlug, und der krachte gewaltig! Gott hatte sein verlorenes Schaf wiedergefunden.

Eitel Tand, Äußerlichkeiten, die paulinisch-sprichwörtlich lärmende Pauke und das dröhnende Erz (der Orgel?), materielle Orgien aus Gold, Samt und Seide, perfektes Theater, Auge und Ohr wohlgefällig – Gott auch?

Es war in Israel, bei meinem ersten Besuch dort. In Israel wurde ich wiedergeboren. Ich wusste damals gar nicht, dass es sowas gibt und hatte das bis dato im übertragenen Sinne auf die Taufe gemünzt, was ja auch so Usus ist bei Kirchens. Weit gefehlt! Binnen Wochen stellte sich mein gesamtes geistliches Weltbild auf den Kopf, mein Gottesbild, mein Selbstverständnis, alles, wofür ich bislang gelebt und gebrannt hatte. Vieles davon wurde völlig bedeutungslos, und es kam die unvermeidliche Frage: Was tust du eigentlich da in dieser Kirche? Ist das das, was Jesus Christus sich vorgestellt hat? Erst seitdem war für mich der Austritt in den Blick gerückt und zu einer realen Möglichkeit geworden. Ich hatte erkannt, wie falsch sich manches anfühlte.

Täglich beschäftige ich mich seitdem, so es die Zeit zulässt, stundenlang mit der Heiligen Schrift, höre gesalbte Predigten und Vorträge im Internet von begnadeten Predigern wie Joseph Prince, Andrew Wommack, Bayless Conley, Roger Liebi, Olaf Latzel, zahlreiche weitere, einer davon auch ein katholischer, was mich wiederum beruhigt, Dr. Johannes Hartl, da die katholische Kirche auch für solche Typen unter ihrem Dach Platz hat, ohne sie in Bausch und Bogen zu verdammen. Dann bin ich da vielleicht doch nicht so falsch, auch wenn das Beten des Rosenkranzes für mich eher wie das getadelte heidnische Geplapper rüberkommt und die Heiligenverehrung selbst wie Götzendienst. Also doch wieder die Sache mit der Hure?

Da man hin und wieder Dingen beiwohnt, die man nicht gutheißt, weil die Bibel etwas anderes erzählt oder auch gar nichts zu bestimmten Dingen, für die die Kirche eine (höchst überflüssige?) Antwort hat, wie z. B. so Nebensächlichkeiten wie die Namen von Jesu Großeltern, die in meiner Bibel jedenfalls nicht zu finden sind. Vorgebliche Marienwunder, die genau nichts aussagen über die Herrlichkeit Gottes, denn seinen Botschaften, seinem Buch der Bücher, darf niemand, auch keine Erscheinung, ein Jota hinzufügen. War es tatsächlich die Gottesmutter (wobei Gott ja nun keine Mutter hat, sondern nur eine Gebärerin, da bin ich pingelig in der Wortwahl!) oder doch nicht vielleicht eher ein Scherge des herrlichen Lichtengels namens Satan, der die Menschen zum Narren hält und zum Vergnügen die Sonne tanzen und Menschen in geistliche Verzückung und Abwege geraten lässt? Oder die Geheimnisse rund um Jesu Inkarnation wie seine unbefleckte Empfängnis, seine leibliche Auferstehung, seine Freiheit von Sünde, was die katholische Kirche lustig eine Generation vorverlegt hat, womit auch immer biblisch begründet. Dann vernahm ich, dass ein nicht unerheblicher identitätsstiftender Teil der katholischen Kirche nicht nur auf der Bibel, sondern auf Tradition fußt… ja ist das denn ein Schützenverein?!

Mit diesen Dingen komme ich nicht klar. Es gibt nach meiner Erkenntnis klare Wiedersprüche zur biblischen Lehre, die ich derzeit einfach aushalte, wie in einer guten Ehe. Ich bete um Klärung. Spricht man drüber, kanns schon mal krachen, also hält man die Klappe um des lieben Friedens willen, zumindest vorerst. Für alles gibt es die richtige Zeit. Wenn Gott sagt: „Geh!“ dann werde ich gehorchen, aber so weit ist es (noch) nicht. Und vielleicht kommt dieser Zeitpunkt nie.

Auf der anderen Seite – und jetzt komme ich zu DEM entscheidenden Argument, warum ich Mitglied dieser Kirche bin, ist die katholische Kirche in unserer Gesellschaft die letzte verbliebene Instanz, die in manchen Dingen das klare Wort Gottes verkündet, auch gegen mancherlei Anfeindungen. Leider ist sie mir nicht laut und nicht konsequent genug, wenn es z. B. um den millionenfachen Massenmord an Ungeborenen geht, um die Klarstellung einer deutlichen biblischen Sexualmoral gegen jede Mode, dem Eheverständnis.

Es sind eben nur sehr wenige Dinge, mit denen die Kirche noch öffentlich und zudem zaghaft in Erscheinung tritt, weil sie aufgrund ihrer inneren Konflikte zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, und genau deswegen braucht sie mich! Ich bin der Stachel im Fleisch, ich lege den Finger in die Wunde, ich bemühe mich, allüberall, gefragt oder ungefragt zu erklären, warum Leid und Tod in der Welt sind. Über Erbsünde MUSS gesprochen werden! Die Sache mit Satan und seinen Dämonen, die die Menschen quälen und zu Fall bringen, hat die Kirche klammheimlich, still und leise abgeschafft, weil man so etwas einem angeblich aufgeklärten modernen Menschen nicht mehr vermitteln kann, welch ein schwerwiegender, fataler Irrtum!

Dabei beschäftigt die Kirche durchaus offizielle Exorzisten, nur hört man von den Machenschaften Satans in Predigten nie etwas, alles wird wegpsychologisiert oder gar ins Reich der Mythen und Märchen a la Kinderschreck verbannt. Nichts Besseres kann Satan passieren als die Leugnung seiner personalen, wesenhaften Existenz, und die Folgen davon erleben wir gerade jetzt. Kein Geringerer als Jesus Christus selbst hat immer wieder vor ihm gewarnt wie kein anderer. Wo werden gemäß Jesu Weisung noch Dämonen ausgetrieben? Wo wird dem Auftrag Jesu gemäß die Frohe Botschaft verkündet außer in den eigenen Reihen, und das auch nur auszugsweise zusammengekürzt? Welcher Katholik wird zum Studium der Bibel angehalten? Welcher Katholik wird zum Sprachengebet angeleitet, das so heilsam und wohltuend ist? Ja, es gibt sie noch, die Missionare, aber selbst in kirchlichen Kreisen wird Mission als eine Art kulturelle Aufdrängung, gar als Rassismus und Diskriminierung wahrgenommen, welch ein Wahnsinn, dabei ist es der wesentlichste Auftrag Jesu Christi, um die Menschen vor der ewigen Verdammnis zu bewahren. Es gibt nur EINEN Weg, EINE Wahrheit, EIN Leben. Es ist die wichtigste Aufgabe der Kirche, diese Botschaft zu verkünden. Jeder Mensch, dem diese Botschaft vorenthalten wird, ist ein Verlorener aufgrund kirchlichen Versagens. Kann die Kirche, können wir Christen, kann ich das tragen und ertragen? Welche Nichtigkeiten werden dagegen doch thematisiert!

Von interreligiösem Dialog im Sinne von unangefochtener Gleichwertigkeit aller Religionen steht in der Bibel nichts. Genau darum findet die Kirche auch kein Gehör mehr, denn sie hat aus lauter Opportunismus vielerorts nicht mehr zu bieten als die Humanisten, und genau dagegen halte ich – in erster Linie als Christin, und in zweiter als Katholikin! Die Kirche hat sich keine Lehrer aufzuhäufen, die neue Lehren verkünden, nach denen den Leuten die Ohren jucken (sic!). Der sogenannte Synodale Weg, den die deutsche katholische Kirche beschritten hat (die römische findet das ebenso wie ich und aus denselben Gründen nicht hilfreich) ist ein fataler Irrweg.

Wenn die Kirche weiter so leise ist und schweigt und Gott in seinem Wort öffentlich nicht bekennt und verherrlicht, werden die Steine schreien (Lk19, 40) – und einer davon bin ich!

Sollte die Kirche sich aber immer noch weiter mit ihrem gesellschaftlichen Opportunismus auf einen Irrweg begeben und diesen weiterhin zementieren, werde auch ich sie verlassen, mit allen Konsequenzen. Ich möchte dann nicht mit ihr zusammen in die Hölle geworfen werden. Noch hänge ich mit an der Notbremse, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

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4 Responses to Kirchenaustritt? Ein Manifest

  1. Avatar von brigwords brigwords sagt:

    Danke fürs Teilen, liebe Henny. Das war jetzt spannend zu lesen. Etwas haben wir beide gemeinsam – ich wurde auch in Israel „wiedergeboren“ . Ausgerechnet. Oder logischerweise? Allerdings würden andere Christen nun zu mir sagen, ich sei kein Christ mehr. Abgefallen statt neu geboren. Das tut weh. Es fällt dann auch schwer, in die Enge einer solchen Gemeinschaft zurückzugehen, wo es eben nur den einen Weg für alle gibt.
    Ich wäre aber gerne dabei und wünschte mir, es gäbe diese Weite im Denken, es wäre keine Sünde, zu hinterfragen und es gäbe den Mut, Dinge zu verändern.
    Liebe Grüsse Brig

    • Avatar von Henny Jahn Henny Jahn sagt:

      Schalom liebe Brig,
      die Weite im Denken, da sagst Du was. Mich würde man mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit als Hexe verbrennen, lebten wir ein paar hundert Jahre früher, weil ich angebliche Häresien ausspreche. Heute hat man andere, verfeinerte Methoden. Scheiterhaufen sind vielfältig. Dabei lese ich einfach nur die Bibel in ihren Urtexten und hinterfrage Dinge, die einfach nicht zu dem passen, was ich in einer Institution erlebe. Und wir werden immer mehr, auch das ist gut so. Das Christentum ist in Wahrheit keine Religion sondern eine Liebesbeziehung Gottes zum Menschen. Damit kann man aber nicht kommen, denn dann bräche das gesamte Gebäude aus menschengemachten Vorschriften, die angeblich aus der Bibel abgeleitet sind (ich finde nur einfach diese Stellen nirgendwo), zusammen. „Ist mir auch egal“, könnte ich sagen, aber das ist es nicht. Es ist schmerzhaft zu sehen, wie eine buchstäblich jahrtausendealte Institution, die viel Gutes für die Menschen getan hat, ins Bodenlose stürzt und die Rettungsanker einfach nicht sieht, weil sie blind zu sein scheint, gewissermaßen betriebsblind. Diese Anker hängen ja überall. Ich will aber nicht mitstürzen. Gott kennt mich, und ich bin früh genug erwacht. Diese Vorwürfe hat bekanntermaßen schon Jesus den Pharisäern gemacht. Sie lüden den Menschen schwere Lasten auf, täten besonders heilig usw.. Es ist ein menschliches Gefüge aus Macht und Psychologie, mit allen daraus erdenklichen Konsequenzen. Dieses Problem wird zwar ständig angesprochen, aber es fehlen die Konsequenzen, das mea culpa bleibt folgenlos. Und Gott sitzt auf seinem Thron und – lacht.

      • Avatar von Wolfram Wolfram sagt:

        Die Institution *ist* „das … Gebäude aus menschengemachten Vorschriften“. Eine Art von Institution ist nötig, als Rahmen für das Leben der christlichen Gemeinschaft, aber wie diese Institution aussieht, das ist nicht in den Stein gemeißelt (dann wäre es auch tödlich, wie Paulus schreibt) und kann, ja muß sich mit den Gegebenheiten ändern.
        Ob es sich um Struktur und Organisation handelt oder um Liturgie – und ich liebe die alte, feierliche Liturgie und die feierlichen Choräle, die Orgelklänge und Responsorien – das alles zählt bestenfalls, mit Bonhoeffer gesprochen, zu den „vorletzten Dingen“ und kann nur unterstützend, aber möglicherweise auch hemmend wirken: nicht direkt für die Liebe Gottes zu den Menschen, wohl aber dafür, wie wir sie den Menschen bekannt machen, die davon noch nichts wissen oder wissen wollen.

  2. Avatar von Wolfram Wolfram sagt:

    Die Frage der Frauenordination rechne ich zu den säkularen Interna der verfaßten Kirche, nicht zu den geistlichen Fragen: das gern vorgebrachte Argument „Jesus hat nur Männer zu Aposteln berufen“ zählt da nämlich nichts, er war umgeben von Frauen wie sonst keiner im Land und hat ausgerechnet einer Frau als erster den Auftrag gegeben, die Auferstehung zu verkünden.
    Von den 12 Hauptjüngern tragen wenige Jahre nach der Auferstehung auch nur noch ganz wenige überhaupt eine Funktion in der jungen Kirche, eigentlich bleibt nur Petrus übrig, bis auch er Jerusalem verläßt – dafür treten Menschen aus der irdischen Familie Jesu in den Vordergrund.

    Und so schön der Titel der Theotokos ist, verdrängt er doch nicht, daß Maria auch die Mutter Jesu ist – und das steht so in der Bibel, zum Beispiel Joh.2,1 oder Lk.2,48.

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