Klimaesoterik und die Eifler Sintflut

Nun hat die Stunde der Klimaapologeten geschlagen. Alle politischen Parteien (außer der AfD – leider) springen über die Stöckchen der Mensch-ist-schuld-Beschwörer, sie wussten es immer schon, der böse Mensch und seine böse (wohlstandbringende) Industrialisierung nebst seiner mindestens so bösen Autos und Flugzeuge ist schuld an der Sintflut in Schuld und anderswo.

Der Mensch ja, das Klima nein. Auch wenn die Vorsilbe Sint- nichts mit der „Sünde“ sondern mit dem Begriff „allumfassend“ zu tun hat, trifft der Begriff Sünde die Sache im technisch-geologischen Sinne sehr gut. Bausünden noch und nöcher, Begradigung von Flüssen und Bächen, Trockenlegung von Auenlandschaften und Sumpfgebieten, Versiegelung der Landschaften, Bodenstörungen durch immer mehr Siedlungen und Eigenheime, DAS sind die Ursachen der jüngsten Flutkatastrophe. Und leider trifft es oft diejenigen, die nicht mal nach dem Verursacherprinzip verantwortlich sind.

In Deutschland wird TÄGLICH eine Fläche von etwa 73 Fußballfeldern verbraucht, ein Teil davon wird versiegelt (Gebäude, Straßen usw.). Das kann nicht folgenlos bleiben. Man kann auch nicht das Bevölkerungswachstum mit fadenscheinigen Begründungen in diesem Land ständig weiter in die Höhe treiben und erwarten, dass auch das folgenlos bleibt.

Einige Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung. Mich persönlich hat es hier in Dortmund – im Gegensatz zu meinen Nachbarn – diesmal mit dem Hochwasser nicht getroffen. Ich wohne in einem Haus, das seit etwa 48 Jahren steht, in Hanglage, dem nördlichen Ausläufer des Ardeygebirges. Wir hatten vor zig Jahren das erste Mal nasse Keller im Sinne von 50 – 60 cm Wasserstand, weil der Straßenkanal in unseren Keller überstaut hat. Sowas muss nur einmal passieren. Seitdem habe ich eine Verriegelung samt Pumpe. Dieses System arbeitet selbständig und hat in den letzten Jahren mehrfach ausgelöst, und so ist mir dadurch auch diesmal ein nasser Keller erspart geblieben. Diese Wasserereignisse häufen sich also auch hier.

Oben auf dem Bergrücken stand vor 50 Jahren kaum ein Haus, als der Abwasserkanal und auch mein Haus gebaut wurde. Sehr viele Neubauten sind seither auf der grünen Wiese dazugekommen, dabei vorwiegend Eigenheime, die pro Kopf besonders viel Fläche versiegeln, durch das Gebäude selbst, aber auch durch die Zubringerwege und Nebengebäude. Der Straßenkanal hat seinen Durchmesser aber nicht vervielfacht. Das Ergebnis ist, dass unsere Straße bei Gewittern regelmäßig für Bootsfahrten taugt, da man das Fahrbahnniveau vom Bürgersteig nicht mehr unterscheiden kann. Das Wasser schießt mit einer enormen Geschwindigkeit Richtung Kirchhörder Bach, der natürlich in angrenzende Wiesen überstaut. Das hat er früher sicher auch hin und wieder getan, und gottlob sind wenigstens diese Wiesen nicht bebaut, so dass es außer ein paar abgesoffene Maulwürfe niemanden juckt. Allein in den letzten zwei Jahren sind bergaufwärts neue Gebäude in einer Anzahl auf der grünen Wiese entstanden, dass ich mich frage, wie dort überhaupt Baugenehmigungen erteilt werden konnten. „Lücke im Bebauungsplan“ heiß es. Niemand fühlt sich aber politisch dafür verantwortlich, diese mal zu schließen. Auch die Nachverdichtung, bei der auf Bungalows weiter aufgestockt wird, trägt zu weiterem Abwasseraufkommen im immer noch alten Kanalsystem bei. Ebenso kommt mir ein aktueller Fall in den Sinn, wo auf zwei Grundstücke, auf denen jeweils ein Einfamilienhaus stand, nach deren Abriss nun fünf (5!) zweieinhalbstöckige Häuser gesetzt werden, mit einer entsprechend höheren Anzahl von Familien. Immer noch der alte Kanal. Wer in diesen Buden wohnen will, weiß ich auch nicht, da guckt man sich gegenseitig auf den Frühstückstisch, aber sei es drum.

Nebenan ist ein Stadtteil namens „Hombruch“. „Hombruch“ kommt von „Hoher Bruch“. Dort war mal ein Sumpfgebiet. Heute ist es ein hochgradig verdichteter Stadtteil Dortmunds. Straßennamen wie Mergelteichstraße, am Mühlensiepen, am Flachsteich usw. erinnern heute noch lebhaft an diese Vergangenheit. Das ist alles noch nicht lange her. Sucht man die dazugehörigen Gewässer, sucht man vergeblich. Namenlose große Teiche als Polder vom Rüpingsbach, in denen ich in meiner Kindheit Froschlaich gesammelt habe, sind verschwunden. Irgendwo muss dieses Wasser ja geblieben sein, auch vor dem viel beschworenen Klimawandel. Ruhrgebiet, ja, hier wird Grubenwasser gepumpt, das auch hier und dort an die Oberfläche tritt und kanalisiert ist. Durch den Bergbau ist die Bodengeologie massiv gestört, die Bebauung tut ihr Übriges, aber alte Polderflächen fehlen fast vollständig. Das Wasser löst sich nicht in Nichts auf. Das Abpumpen der Grubenwässer erklärt nicht die Trockenlegung vieler ehemaliger Feuchtgebiete, denn es gibt sie ja durchaus, leider eben nur noch in verschwindend geringer Anzahl und viel zu geringer Fläche.

Das Wasserproblem ist menschengemacht, aber es hat mitnichten mit der Erderwärmung sondern mit der Versieglung und Umgestaltung von Flächen zu tun, das ist alles, aber das ist schlimm genug.

Das Heil jedenfalls liegt nicht in der Deindustrialisierung Deutschlands mithilfe von grünen Liebhabertechnologien, denn was nützt die Abschaltung von Atomkraftwerken, wenn z. B. in China innerhalb der nächsten Jahre 44 neue Atomkraftwerke in Betrieb gehen? China ist nur EIN Beispiel von vielen. Mit der grünen Energiespinnerei haben wir jedenfalls rosige Zukunftsaussichten. Wie Henrik Broder schon sinngemäß sagte: Entweder werden wir in Zukunft eine chinesische Kolonie oder ein islamisches Kalifat. Na herzlichen Dank auch!

Bilder: Dortmund, Lütgenholthauser Straße und Mettestraße, Überflutungen des Kirchhörder Bachs am 16.07.2021, sonst alles nur Wiese

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Eine Antwort zu Klimaesoterik und die Eifler Sintflut

  1. nouseforislam schreibt:

    Ich bin auch Dortmunder und habe die Überschwemmung vor 12 oder 13 Jahren erlebt. U. a. ist meinem Vater der Keller seines Reihenhauses vollgelaufen. Das ist zwar eher in einem höheren Teil der Bittermark gelegen, aber wenn die Eingänge unter Strasseniveau liegen, läuft das Regenwasser eben durch die Kellerfenster in die Häuser. Eine Überschwemmung hat es diesmal nicht gegeben, aber das Wasser hat sich die Wände gedrückt. Mit dem Klimawandel hat das nichts zu tun, sondern mit der rasanten Bebauung und der nicht Schritt haltenden Rekonstruktion der Abflüsse. In der Nähe der Autobahn gibt es ein grosses Wiesengelände, noch nicht als Bebauungsgebiet ausgewiesen, das grosse feuchte Senken aufweist. Dort Häuser zu bauen, ohne geeignete Dränagen und Kanalisation, wäre ein grosser Fehler. Mal sehen, was daraus wird. Der Lohbach wäre ein weiteres Beispiel. In der Senke zu bauen wäre völlig bekloppt.

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