Der Gläubige und das Coronavirus

Seit Wochen beherrscht die derzeitige Coronaepidemie die Schlagzeilen der Nachrichten, immer neue Meldungen von Fallzahlen und Todesfällen versetzen viele Menschen in Panik und verbreiten Endzeitstimmung. Was kann man tun, wie kann man sich schützen? Diese Fragen begegnen einem täglich zigfach.
Es fällt bei all den vermeintlichen, medial aufgepuschten Schreckensnachrichten nicht immer leicht, sich dieser kollektiven Hysterie zu entziehen. Für mich ist der Umgang unserer Gesellschaft mit dieser neuartigen Situation eine Nabelschau dessen, was für viele Menschen wichtig ist, woran sie Halt und Orientierung finden. Ausnahmesituationen wie diese zwingen zur Besinnung auf das Wesentliche. Wir Christen haben Fastenzeit, eine Zeit der Besinnung, der Rückschau, der Einkehr, des Nachdenkens über Werte, Prioritäten und die eigene Lebensführung. Lebensführung….. das ist das Stichwort. WER führt mein Leben? Führe ich es, weil ich meine, dass ich alle Fäden in der Hand halte? Spätestens jetzt wird mir bewusst werden, dess dem mitnichten so ist. Irgendwann, ich weiß nicht mehr, wieviele Jahrzehnte es her ist, habe ich bewusst entschieden, dass ich die Führung meines Lebens und daher die Führung DURCH mein Leben und durch Situationen, die ich ganz offensichtlich überhaupt nicht in der Hand habe, Gott überlasse.

Natürlich lehne ich mich deswegen nicht fatalistisch tatenlos zurück und sitze irgendwelche Probleme aus. Ich tue unaufgeregt das, was ich ohne Stress und inneres Heißlaufen tun kann, um eine Situation zu bewältigen, aber im letzten weiß ich auch, dass das im Grunde nur sehr wenig ist. Im Falle des Coronavirus sind das Händewaschen, Grüßen ohne Handschlag (welchen ich eh noch nie mochte) und ähnliche Kleinigkeiten, für die ich mir keine Beine ausreißen muss. Den weitaus größeren Teil des Problems überlasse ich Gott und bin in seinem Frieden, in seinem Shalom.

Mein Wahlspruch ist ein Vers aus Psalm 91, der mir oft und immer wieder ins Bewusstsein dringt, Vers 7: „Ob auch tausend zu deiner Seite fallen und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen.“ Ja, genau so ist es, und genau so habe ich es immer wieder erlebt. Es gibt noch unzählige andere Zusagen Gottes zu unserem Schutz, aber wir müssen sie vertrauensvoll annehmen. Vertrauen ist allerdings die Voraussetzung zu ihrer Wirksamkeit.

Ich werde immer wieder mal gefragt, wieso ich mich dies und jenes traue, was offenbar ein ängstlicher Mensch so ohne Weiteres nicht tun würde. Es ist sehr einfach, weil ich kaum soetwas wie Angst verspüre, oder zumindest lösche ich aufkeimende Ängste aus, indem ich dem Einflüsterer dieser Angst Gottes Zusagen entgegenhalte, meinen Bannspruch aus Psalm 91, dann gibt er schlagartig Ruhe. Mir fiel das noch vor ein paar Wochen auf, als ich in Israel war und mitten in der Nacht mehrere Kampfjets gefühlt 10 Meter über die Zimmerdecke hinwegdonnerten. Die Nacht war für mich gelaufen, aber nicht, weil das Gedröhne und die Vibrationen mich fast aus dem Bett befördert hätten sondern weil einige Frauen in der Nähe nicht aufhörten hysterisch zu kreischen und die gesamte Nachbarschaft mit ihrem Getue unterhielten. Was soll mir passieren? Gott entscheidet, wann mein letztes Stündlein schlägt, nicht die Hisbollah, nicht ein Terrorist und auch nicht Corona.

Im Moment bin ich etwas traurig, dass ich meinen ab dem 16.3. geplanten Israelaufenthalt nicht antreten werde, denn das israelische Gesundheitsministerium verlangt als Vorsichtsmaßnahme für Israelis, die aus Deutschland einreisen, 14-tägige häusliche Quarantäne, und für deutsche Staatsbürger den schriftlichen Nachweis mit Brief und Siegel zur Möglichkeit einer solchen Quarantäne. Auf derartige Scherereien habe ich natürlich keine Lust, also wird dieser Aufenthalt bis auf Weiteres verschoben. Schade, wo gerade jetzt die Zeit der herrlichen Golanblüte anfängt. Aber auch DIESER Verzicht hat seinen Sinn. Es wird einen tieferen Sinn in dieser Angelegenheit geben.

Und so mache ich aus jeder Zitrone köstliche Limonade. Ohne Gottvertrauen könnte ich nicht mehr leben, das Leben hätte für mich keinen Sinn. Leider aber zeigt mir Vieles, was in den letzten Tagen geschehen ist, dass sehr viele Menschen in Deutschland dieses Vertrauen nicht haben. Mein Wunsch für die Fastenzeit wäre eine Besinnung auf unsere Wurzeln, eine Besinnung auf das Wesentliche, die Neuausrichtung des inneren Kompass auf Gott.

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7 Antworten zu Der Gläubige und das Coronavirus

  1. huibuh123 schreibt:

    Liebe Henny,
    ich bin ganz anderer Ansicht. Die Geschichte lehrt uns, dass sich Gott niemals in weltliche Dinge einmischt. Weder in den Verlauf von Seuchen/Krankheiten, noch in Kriegssituationen. Nicht einmal wenn ganze Välker abgeschlachtet werden. Gebete werden nicht erhört! Man muss nämlich vernünftigerweise annehmen, dass niemand so inbrünstig um sein Leben gebetet hat, wie jene, die während des zweiten Weltkrieges vergast wurden. Es ist zynisch, wenn man glaubt, dass Gott diese Schicksale gelenkt hat. Es verbietet sich sogar anzunehmen, dass diese armen Menschen „schlechter“, weil erfolgloser gebetet haben, als Andere, deren Gebete vermeintlich erhört wurden. Oder glaubt tatsächlich jemand, dass Gebete um persönliche „Kleinheiten“ tatsächlich erhört werden, aber Gott sich dann, wenn es wirklich nötig wäre, einfach abwendet? Ich glaube, wer das einmal in Ruhe und frei durchdenkt, wird mir beipflichten, oder aber mindestens in allergrößte „gedankliche Schwierigkeiten“ geraten. Für das Alltagsleben eines jeden Menschen bedeutet solche Erkenntnis, dass wir selbst lenken und nicht Gott. Wenn jemand vor einen Bus läuft und dabei um’s Leben kommt, so geschah das nicht mit Gottes Einverständnis. Das Gegenteil mag man sich als intelligenter Mensch nicht vorstellen. Gottes Wege mögen nicht einsehbar und verschlungen sein, aber sie sind nicht geisteskrank. Und wenn mir solches schon einleuchtet, wie klar müssen solche Zusammenhänge erst aus göttlicher Sicht sein. Gegen das Corona- Virus kann und sollte man sich schützen. Wie man sowas genau bewerkstelligt, kann man überall nachlesen. Wer das nicht beachtet, weil er auf Gott vertraut, wird möglicherweise erkranken und kann dann sterben. Gott hat damit nichts zu tun. Grüße.

    • lizzzy07 schreibt:

      Gott lenkt das große Ganze. Und das Leben des einzelnen nur, wenn der das will. Das heißt, dass der Mensch, so er will, alles selbst entscheiden kann (und die Konsequenzen tragen). Außerdem bedeutet es nicht, dass Gott einem automatisch jeden Wunsch erfüllt. Manchmal denke ich, dass sich das Schicksal des Einzelnen in das Ganze einfügen soll. Und der Betreffende findet das erst mal ungerecht. Der Lohn wird in der Ewigkeit kommen. Ich muss meine Israel-Reise wohl auch absagen. Andrerseits: Wer weiß, wofür es gut ist. Vermeintliche Ärgernisse haben in meinem Leben schon oft größeren Schaden vermieden. So bin ich jetzt trotzdem gelassen, was das betrifft.

    • Henny Jahn schreibt:

      Ich danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar. Er ist so vielschichtig, dass ich ihn nicht in ein paar Sätzen „abhandeln“ kann, dazu ist diese komplexe Thematik viel zu wichtig. Aber ich bemühe mich, im Laufe der nächsten Wochen einiges daraus in gesonderten Artikeln in diesem Blog aufzugreifen, denn diese Gedanken sind auch mir nicht fremd.

  2. brigwords schreibt:

    ich fühle ganz mit dir, bin auch sehr aufgewühlt, das umbuchen des Fluges war nicht einfach und die neue Reise organisieren ist halt nochmals von vorne anfangen. Aber es wird schon alles werden. Es kommt evtl noch besser, als geplant 🙂
    Angesichts anderer Katastrophen gibts nichts zu jammern, sondern man kann einfach das beste draus machen! Ich wünsche dir trotzdem eine gute Zeit, die die für …wer weiss…wunderbare Dinge freigesetzt hat!
    Liebe Grüsse
    Brig

  3. Cayceportal schreibt:

    Du hast es auf den Punkt gebracht – vielen Dank! Ja, so geht es mir auch, und diese Zuversicht gibt mir eine große Gelassenheit. Es liegt an UNS, ob wir Gottes Führung annehmen oder nicht. Der HERR drängt sich uns nicht auf. Und auch der Welt nicht. Schalom!

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