Tachles: Ist Gesundheit wirklich das höchste Gut?

Meine kurze wie provokante Antwort: Nein.

Wir haben es uns in unserer Gesellschaft zu eigen gemacht, die Gesundheit über alles zu stellen, doch woher kommt diese Idee? Im besten Fall ist es die Urangst vor Schmerz und Tod, aber die Wahrheit ist, dass unsere christliche Kulturgeschichte für diese Denke eine große Mitverantwortung trägt. Dahinter steckt die Idee der Leistungsgesellschaft, der optimierten und maximierten Produktivität bei möglichst minimiertem Aufwand, denn ohne Gesundheit keine Leistung, und ohne Leistung auf Erden keinen Platz im Himmel, denn der muss schließlich durch das Anhäufen von guten Taten erkämpft werden. Theologen gar nannten die Krankheit eine Strafe Gottes für irgendwelche Vergehen – wie absurd!

So einfach war die Rechnung jahrhundertelang, die ein absonderliches Eigenleben entwickelt hat. Die Wertigkeit eines Menschenlebens an seiner Leistungsfähigkeit zu bemessen, treibt bis in unsere heutige Zeit hinein absurde Blüten. Sie hat aber auch in letzter Konsequenz zur Euthanasie des „lebensunwerten Lebens“ geführt.

Gesundheit aber führt zur möglichst weiträumigen, ja grenzenlosen Selbstbestimmung, die der mündig geglaubte Mensch über alles stellt. Seine Selbstständigkeit ist ihm heilig, Heil-lig, Heil bringend! (So glaubt er) Sie gibt ihm das Gefühl des größtmöglichen Potentials. Krankheit schränkt ein, beschränkt, macht den breiten Weg der Möglichkeiten schmaler, und genau hier kommen wir der Sache näher.

Die Heiligen Schriften geben die Idee von der Gesundheit als höchstem Gut nicht her, ganz im Gegenteil.

Krankheit ist eine Lehre, ein Zeichen Gottes, ein Stoppschild, eine Chance zu einer Wende, so gesehen, eine Gnade. In jeder Krankheit liegt die Notwendigkeit, sich mit seiner eigenen Begrenztheit auseinanderzusetzen, also genau das zu akzeptieren, was wir im gesunden Zustand so weit von uns gewiesen wissen wollen. “Gedenket des Todes, auf dass ihr klug werdet!“ So gesehen ist die Krankheit ein Geschenk.

Die Krankheit ist ein äußerer Zustand innerer Befindlichkeiten, sie ist eine Folge, keine Ursache. Die Ursache liegt IMMER weit vorher schon Seelischen, und dieses IMMER ist mir sehr wichtig. Man kann oberflächlich gesehen dagegen tausend Argumente einbringen, die aber bei tieferem Nachdenken sämtlich zu widerlegen sind. Was hat die harmlose Erkältung mit seelischer Befindlichkeit zu tun, was der Bandscheibenvorfall, was der Krebs? Sie alle sind Folgen einer zu wenig reflektierten Lebensführung, die uns unbemerkt aber immer tiefergehender geistig und seelisch schwächt. Wird die Seele aber schwach, ist der Körper anfechtbar. Sie harmonieren nicht mehr optimal, und eine Krankheit ist die Folge. Deswegen bleiben so viele Therapien erfolglos, so viele Medikamente wirkungslos, denn all dies ist im letzten ein Herumdoktern an äußeren Symptomen. Wenn die Seele nicht genesen kann, wird keine ärztliche Kunst der Welt helfen können.

Jede einzelne Krankheit ist ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg unserer seelischen Vervollkommnung, darum sollen wir ihrer nicht fluchen sondern sie als Chance begreifen und nutzen.

Das höchste Gut sind die Liebe, die Leidenschaft und die Begeisterungsfähigkeit, denn sie sind die eigentlichen Motoren unseres Lebens, nicht die Gesundheit, sie ist KEINE Voraussetzung für diese drei Dinge. Auch ein kranker Mensch kann diese großen Gaben ausleben, doch wenn ein Gesunder keine davon hat, ist er der ärmste Mensch der Welt, da nützt ihm seine körperliche Gesundheit nichts.

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Eine Antwort zu Tachles: Ist Gesundheit wirklich das höchste Gut?

  1. Cayceportal schreibt:

    Spitze Artikel, den musste ich doch gleich teilen!

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