Nomen est Omen – Benjamin Netanjahu בנימין נתניהו

Benjamin_Netanyahu_portraitWas bedeutet der Name Benjamin Netanjahu?

Viele hebräische Namen haben eine tiefergehende Bedeutung, über den reinen Klang hinaus. Das betrifft sowohl Vornamen als auch Nachnamen und spiegelt sich bereits wieder in dem Namen des Volkes und des Landes: Israel ישראל . Es ist ein zusammengesetzter Name aus einer Kurzform des Gottesbegriffs Eloha bzw. dessen pluraler Form Elohim אלהים und dem Imperfekt des Verbes „streiten, ringen, kämpfen“ שרה sarah. Der Name Israel bedeutet also soviel wie „Gott möge herrschen“ oder „Gott möge streiten“

Viele Namen sind abgeleitet von ihrer familiären Herkunft; so gibt es zahlreiche Namen, die den Begriff „Tochter“ = בת (bat) oder „Sohn“ בן (ben) vorangestellt haben, im Sinne des „Sohn von … oder Tochter von …, aber auch solche, die eine Eigenschaft oder einen Zustand beschreiben, z. B. Friedenstochter בת שלום (bat schalom). Der lateinische Sinnspruch „Nomen est Omen“ gilt hier in besonderer Weise, denn der Name soll tatsächliche Spieglung der Persönlichkeit, ihrer Lebensaufgabe, der Berufung eines Menschen durch Gott sein. Das ist sozusagen theologisches Programm, etwa so, wie im Christentum gern Heilige als Namenspatrone für Kinder gewählt werden.

Der Vorname des israelischen Ministerpräsidenten ist ein sehr geläufiger Name. Er kommt bereits in den Heiligen Schriften vor und setzt sich zusammen aus dem „Sohn“ – ben בן und aus dem Begriff für „rechts“ oder „recht“ im Sinne von „geschickt, glücklich“ – jamin ימין. So bedeutet Benjamin so viel wie glücklicher Sohn oder geschickter Sohn.

Auch der Nachname „Netanjahu“ – wobei die Endung …jahu in Israel übrigens nicht selten ist – ist ein derartiger zusammengesetzter Begriff. Er leitet sich aber nicht, was naheliegend wäre, von der israelischen Küstenstadt Netanya ab, wie dies bei deutschen Namen in der Entsprechung zu Städten oder Orten häufig vorkommt. Vielmehr haben beide Namen in ihrem Ursprung eine gemeinsame Intention.

Der Wortteil netan נתן ist die Vergangenheitsform des Verbes latet לתת = geben, von dem sich übrigens auch der berühmte Name „Natan“ ableitet – „Derjenige, der gibt“.

Der Namensteil jahu יהו ist ein besonderes Wort. Jahu ist einer der Namen Gottes, Jahwe, der nicht ausgesprochen werden darf, YHWH יהוה. Er ist eine Kurzform des großen Gottesnamens יהוה, sodass das zweite ה wegfällt und nach sprachlicher Regel aus dem w (waw) ein u wird, was im Hebräischen ein- und derselbe Buchstabe ו ist: יהו

So bedeutet Netanjahu (oder in anderer lautschriftlicher Übertragung auch Netanyahu) soviel wie „Gott gab“ – נתניהו.

Gott gab Israel mit Bibi also einen geschickten Sohn – wenn das kein Zeichen ist…

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4 Antworten zu Nomen est Omen – Benjamin Netanjahu בנימין נתניהו

  1. Lothar Hartmann schreibt:

    Erklärung klingt vertrauenswürdig und vielsagend.

  2. Bernd Wendland schreibt:

    Ist es richtig, dass B. Netanyahu eigentlich unter einem anderen Namen geboren wurde und er sich — als „geschickter Sohn“ — seinen jetzigen quasi als Künstlernamen zugelegt hat? Wie hieß er denn wohl vorher?

    • Henny Jahn schreibt:

      Nein, Benjamin Netanjahu ist in Tel Aviv unter diesem Namen geboren und hat ihn nie geändert. Allerdings ist sein Vater aus Warschau ins damalige Mandatsgebiet Palästina eingewandert und hatte zuvor einen polnischen Nachnamen, den er dann später in „Netanjahu“ geändert hat. Diesen neuen Familiennamen hat er auf seine Kinder übertragen. Allerdings hat heute ein hebräischer Familienname tatsächlich nicht zwangsläufig auch eine lange Tradition, da ein israelischer Staatsbürger seinen Namen auch ändern oder hebraisieren kann, beliebt wor allem, wenn jemand Alija macht, wie damals eben Vater Netanjahu.

  3. Eckart Christiansen schreibt:

    Vater Benzion hieß Mileikowski und war lange Zeit die rechte Hand des Mussolini-Bewunderers Wladimir Ze’ev Jabotinsky. Dieser Zirkel trat für die Aufhebung der in San Remo Anfang der 1920er Jahre gefällten Beschlüsse ein, daher „Revisionisten“ oder „revisionistische Zionisten“. Für sie besteht Israel aus allem Land, das die siegreichen Briten dem zerfallenden Osmanischen Reich abgenommen hätten, inklusive ganz Jordanien, Teilen Syriens und des Irak,so ihre etwas eigenwillige Interpretation der Balfour-Deklaration. Selbstvertständlich beinhaltete diese Vorstellung eines Groß-Israel die ethnische Säuberung von den unerwünschten Arabern. Mit den Zionisten um Menachim Begin, I. Shamir und Abraham Stern lagen die Revisionisten bald über Kreuz. So unterstützten sie deren Terrorkampf gegen die Briten während des 2. Weltkrieges nicht. Die Stern-Gruppe ging sogar so weit, mit der Reichsführung Kontakt aufzunehmen, in dem Wahn, die deutsche Seite würde sie zu Verbündeten machen und dann die im deutschen Machtbereich in der Todesfalle sitzenden Juden nach Palästina ziehen lassen. Die Revisonisten hielten nichts von einer irgendwie gearteten Kollaboration mit der SS. Bibi hätte hier besser auf seinen Vater gehört, der ihn ganz im Sinne dieser Revisionisten erzogen hatte. Stattdessen griff er die in der Likud-Partei in der Nachfolge der Stern-Gang kursierende Verschwörungstheorie auf, Hitler habe die Juden gar nicht ermorden lassen wollen, sondern es mit der Deportation nach Palästina nach dem Sieg über die Briten ernst gemeint. Doch der nach Berlin geeilte Großmufti von Jerusalem habe ihm den Floh mit der „Endlösung“ ins Ohr gesetzt.

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