Ideologismus Meisterbrief

Vor zehn Jahren, also 2004, hat das Handwerk in etwa der Hälfte seiner anerkannten Berufe die Meisterpflicht zur Selbständigkeit abgeschafft, mehr oder weniger zwangsweise. Damals wurde von Meisterlobbyisten das Ende des deutschen Qualitätshandwerks prophezeit, und ob das inzwischen gekommen ist, mag jeder selbst entscheiden.

Ich als Handwerksmeisterin bin unverdächtig, wenn ich die Angelegenheit differenzierter betrachtet wissen möchte. Es gibt gute altgediente Gesellen und schlechte unerfahrene Meister. Wer einem da lieber ist für sein Gewerk und für sein sauer verdientes Geld bedarf wohl keiner Diskussion. Referenzen, das ist das Schlüsselwort. Natürlich hat jeder Meister viel Geld, Schweiß und Zeit in seinen Meistertitel investiert, und natürlich war man – so wie ich auch mit Meisterprüfung ausgerechnet 2004 – zunächst sauer, wenn die Meisterpflicht im eigenen Handwerk gefallen ist, doch man sollte die Konsequenzen durch sein eigenes Geschäftsmodell ziehen, um konkurrenzfähig zu sein.

In einer besonderen gesellschaftlichen Verantwortung stehen Meisterbetriebe deswegen, weil sie ausbilden. Das ist nach meiner Einschätzung heute der herausragendste Unterschied zu einem reinen Gesellenbetrieb. Den Rest erledigt der Markt. Wenn ein Gesellenbetrieb nichts taugt, wird der Markt das bereinigen, und wenn ein Meisterbetrieb nichts taugt, geschieht dasselbe. Man sollte das ganze Thema Meisterbrief nicht allzu hochspielen.

In Deutschland werden aus Ängstlichkeiten heraus immer schnell irgendwelche Regulierungen durch den Staat gefordert (ich erinnere: wir haben eine freie Marktwirtschaft und keine Planwirtschaft), Pfründe werden ängstlich verteidigt, und alle haben immer Angst deswegen und jenetwegen. Angst ist aber der schlechteste aller Ratgeber, deshalb kann ich nur sagen: Ruhig Blut in dieser unnützen Debatte.

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