Türkisches Präsidialsystem ist Deutschlands Schuld

Mir klingt wie eine Beschwörungsformel aus einer Parallelwelt immer wieder der Satz „Nie wieder!“ aus dem Munde der deutschen Politiker im Zusammenhang mit den Verbrechen des Nationalsozialismus in den Ohren. Man bedient diesen Satz vorzugsweise zu Holocaustgedenktagen. Doch dieser Satz ist inhaltsleer. Gegenstandslos. Ein bloßes Lippenbekenntnis. Anders ist dieser Wahlausgang nicht zu erklären.

Deutschlands Politik liegt nach dem Ausgang des Referendums in der Türkei in Schockstarre und Erklärungsnot. In Deutschland lebende Türken haben, im Verhältnis zu türkischen Türken, überproportional häufig Erdogan gewählt. Sie waren maßgeblich das Zünglein an der Waage, weshalb das Land am Bosporus nun in eine gottesstaatliche Autokratie abzugleiten droht.

Die Integration eines signifikanten Anteils der in Deutschland lebenden Türken – eben derjenigen, die Erdogan gewählt haben – ist weitestgehend nicht gelungen. Maßgeblich linke Gesellschaftsingenieure und Sozialutopisten haben eben diese Integration über die politische Schiene erfolgreich verhindert. Aus falsch verstandener Toleranz und politischer Korrektheit heraus, einem pervertierten NIE WIEDER als Rassisten zu gelten, hat man weder die sprachliche noch die kulturelle Integration nachdrücklich eingefordert, bei deren Verweigerung konsequent hätte Abschiebung erfolgen müssen. Jeder solle nach seiner Fasson selig werden. Toleranz gegenüber der Intoleranz, Toleranz gegenüber der Sprachverweigerung, Toleranz gegenüber der Parallelgesellschaft. Toleranz gegenüber religiösen Kapriolen in einer säkularen Gesellschaft.

Nun reiben sich eben diese Politversager verwundert die Augen und merken überhaupt nicht, dass sie auf dem besten Wege sind, die deutsche Geschichte in einem anderen Land höchst selbst zu wiederholen, Dank eigener Unterlassungen. Nur mit Glück werden wir in Deutschland halbwegs ungeschoren davonkommen, oder realistischer: Es bedarf eines Wunders, wenn nahezu eine Millionen Menschen in diesem Land leben, die seine Freizügigkeiten missbrauchen, um in einem anderen Land – ihrer selbstdefinierten Heimat Türkei – eben diese Freiheiten abzuschaffen.

Nicht dazu gezählt habe ich all diejenigen, die in den letzen Jahren aus vergleichbar intoleranten rückständigen Kulturkreisen zugewandert sind und ebenso wenig zur Integration gezwungen werden. Es sieht nicht gut aus für Deutschland, für seine freiheitlich-demokratische Grundordnung mit dieser Perspektive an zukünftigem Wählerklientel. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie  hier in Zukunft mit Minderheiten jedweder Art verfahren werden wird. Man muss kein Jude sein, um schon heute regelmäßig bei Leib und Leben bedroht zu werden, ein Bekenntnis gegen Erdogan als türkeistämmiger Mensch reicht allemal, davon berichteten in den letzten Wochen die Medien zuhauf. Und die Politik? Man wartet ab, beruhigt, es wird schon alles so schlimm nicht kommen. Dasselbe sagte man auch vor 1933…  nie wieder!

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2 Antworten zu Türkisches Präsidialsystem ist Deutschlands Schuld

  1. Horst Klutzny schreibt:

    Warnungen von den verschiedensten Seiten hat und gibt es zur Genüge. Aber in selbstverliebter Taubheit meint man es besser zu wissen. Ja es ist schon eine unerträgliche Überheblichkeit gegenüber den wohlmeinenden Kritikern und dem eigenen Volk bis hin zur Diffamierung.Doch schon immer führt Hochmut zu Fall (früher oder später). Und das Volk zahlt die Zeche wenn es weiter in Standardverdrängung („es wird schon nicht so schlimm……“) verharrt.

  2. Michael Kleemann schreibt:

    Genau sehe ich genauso, ist eine Floskel mehr nicht. Aber so ist das mit Psychopathen, ob die nun sagen ‚ich liebe dich‘ oder ‚ich hol mir mal ’nen Kaffee‘. Das ist für die dasselbe.

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