Kreationismus contra Wissenschaft

Buch-Cover JahnReligion gewinnt, Bildung verliert – in den USA wird das naturwissenschaftliche Weltbild zurückgedrängt. Eine aktuelle Studie zeigt: Die politische Rechte driftet dort leider in eine vormoderne Gedankenwelt ab. Dass der bibeltreue Kreationismus in den USA auf dem Vormarsch ist, wird seit Jahren immer wieder behauptet. Jetzt legte das renommierte, unabhängige Sozialforschungsinstitut Pew Research Center mit der Wiederholung einer Studie von 2005 und 2009 erstmals Zahlen vor, die diese Annahme bestätigen. Gefragt hatten die Forscher nach der Welterklärung, der die Befragten anhingen: War es Gott, der den Menschen genau so schuf, wie er jetzt ist, oder ist der Mensch Produkt eines langen Evolutionsprozesses?

Ohne hier für die eine oder andere Seite Stellung beziehen zu wollen, muss festgehalten werden, dass es sich bei der Evolutionstheorie eben um eine Theorie handelt, nicht mehr und nicht weniger. Das wird bei allen Diskussionen immer gern vergessen. Beweise für eine Evolution gibt es keine, nur eine Kette von Indizien, die in diese und jene Richtung gedeutet werden.

Methoden werden unter Wissenschaftlern heiß diskutiert, die bis vor wenigen Jahren noch sakrosankte Radiokarbon-Methode z.B. gilt inzwischen unter vielen Wissenschaftlern als nicht mehr signifikant. Unter den Wissenschaftlern werden immer mehr Stimmen laut, die die derzeit gelehrte Evolutionstheorie in vielen Bereichen – vor allem in Bezug auf die Dauer der Zeiträume – anzweifeln. Da diese Forschungsergebnisse gerade nicht ins politische, westliche Weltbild passen, das sich für so aufgeklärt hält, bekommen sie weder öffentliches Gehör noch Nobelpreise. Es ist immer gefährlich, wenn eine isolierte Wahrheit in den Religionsstatus erhoben wird, und das gilt hier für beide Seiten.

Bibeltreue ist gut und schön, aber die Bibel ist kein Geschichtsbuch, warum also muss alles wörtlich genommen werden? Die Muslime machen das mit dem Koran genauso, und die schaurigen Ergebnisse von Mord und Totschlag kennen wir hinlänglich. Die Bibel ist ein Buch mit Glaubenszeugnissen, die sich in der Geschichte abspielen, weder ein inhaltlicher noch ein chronologischer Historienbericht, andererseits sind die Wissenschaftsdogmen von heute die Irrtümer von morgen, denn auch ein vermeintlich wissenschaftlich erwiesenes Faktum bleibt nur so lange wahr, bis jemand anderes kommt, der das Gegenteil beweist. Diese ständigen Streitereien zwischen Religion und Wissenschaft sind unnütz und erreichen das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollen: Beide Seiten büßen ihre Glaubwürdigkeit ein. Warum ist es so schwierig, beide Standpunkte als zwei Seiten ein- und derselben Medaille als richtig anzuerkennen? Inhaltlich steht dem nichts im Wege. Bei aller berechtigten Kritik an der katholischen Kirche, aber dieses Problem hat sie zumindest seit dem Vat. II weitestgehend überwunden. So täte es auch den Republikanern für ihre Glaubwürdigkeit gut, nicht mit derartigen unnötigen Weltanschauungsstreitigkeiten zu polarisieren sondern beides nebeneinander als gut und nützlich anzuerkennen.

Max Planck hat das so formuliert:

„Es ist der stetig fortgesetzte, nie erlahmende Kampf gegen Skeptizismus und gegen Dogmatismus, gegen Unglaube und gegen Aberglaube, den Religion und Naturwissenschaft gemeinsam führen, und das richtungsweisende Losungswort lautet von jeher und in alle Zukunft: Hin zu Gott!“

Künstlich angeheizte Diskussionen um Kaisers Bart und entsprechende Radikalisierungen haben noch nie jemandem genützt, nur der Gegenseite.

Wer sich mal jenseits irgendwelcher Fanatismen zu diesem Thema bilden möchte, dem sei mein Buch „Am Rande der Erkenntnis“ (Umschlagbild s. oben) ans Herz gelegt.

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